Ab Montag, 26. Juni 2017 waren wir zu dritt unterwegs. Es war unser Ziel Eik’s 13-jähriger Sohn (Johannes) möglichst viel in den knapp 3 Wochen zu zeigen, denn für ihn soll es ein schöner Urlaub werden.

Wir starteten gemütlich und übernachteten am Boyd Lake auf einem Campingplatz in Loveland. Ja, die Ortschaft heisst tatsächlich Loveland. Wie bis anhin schliefen Eik und ich im Van und Johannes durfte unsere luxuriöses Zelt übernehmen. Für eine Person ist das Zelt wirklich Luxus.
Am Tag danach fuhren wir durch die Rocky Mountains. Eine wunderbare Bergkulisse bei schönstem Wetter. Die beiden wollten noch auf den Mount Evans. Das ist der höchste befahrbare Berg in Nordamerika. Ich war dagegen, weil wir schon genug Berge gefahren sind und ich den Van etwas schonen wollte. Zudem hatte ich das Vergnügen zu fahren, denn sonst würde es mir schlecht als Beifahrerin. 2:1 und somit blieb mir nichts anderes übrig, als den Berg in Angriff zu nehmen. Kurz vor der 4. Meile (von 16) fing „Rusty“ an zu rauchen. Der Qualm kam ins Auto und löste unseren Feueralarm (selber eingebaut) aus. Ich fuhr noch um die Kurve, damit wir nicht direkt in einer Kurve stehen bleiben und hielt den Van an. Kurze Zeit hatten wir Angst und Bange, dass das ganze Auto abbrennt…  Es dauerte nicht lange bis andere Autos anhielten und uns Hilfe anboten. Zwei Typen haben ihren VW am Strassenrand vor der Kurve geparkt und liefen zu uns hoch. Schnell stellte sich heraus, dass es zwei Deutsche waren, welche für VW Testfahrten durchführen. Somit hatten sie glücklicherweise auch Ahnung von Autos (dachten wir damals zumindest). Inzwischen stellten wir auch fest, dass wir viel Flüssigkeit verloren hatten. Es war eine ölige Flüssigkeit, weshalb wir aufs Motorenöl tippten. Die Deutschen rieten uns ab, das Auto selber runterzufahren. Einer runterfahrenden Dame hatten wir gesagt, sie solle den Ranger hochschicken. Nach etwa 20 Minuten kam eine andere Dame von unten und musste uns mitteilen, dass uns jemand zur Ranger Station fahren soll, damit wir den Abschleppdienst anrufen könnten. Auf dem Berg hatte man keinen Handyempfang und so fuhr Eik mit den beiden Deutschen runter. Johannes und ich blieben beim Van auf dem Berg. Es wehte ein eisigkalter Wind und es war ziemlich ungemütlich, aber Johannes hatte seinen Spass, weil es viele Steine zu finden gab. Ich war positiv überrascht, wie viele angehalten und uns ihre Hilfe angeboten hatten. Nach etwa 40 Minuten war Eik mit den anderen beiden zurück und diese wollten so langsam in ihr Hotel zum Abendessen. Der Abschleppwagen komme in 1,5 bis 2h. Nun mussten wir uns entscheiden, ob wir bei „Rusty“ in der Kälte warten oder mit den Deutschen runterfahren. Wir hofften, dass es unten ein Hotel gab, wo wir notfalls übernachten könnten. So entschieden wir uns den Van auf dem Berg zurückzulassen und unten zu warten. Leider gab es unten doch kein Hotel, sondern nur ein Laden mit Restaurant, welches um 20.00 Uhr geschlossen hatte. Sie hatten zwar Zimmer, allerdings waren diese nur für die Angestellten bestimmt. Uns blieb nur die Hoffnung, dass der Abschleppdienst auch wirklich kommt,  denn es war inzwischen nach 19.00 Uhr. Wenn er nicht kommt, hätten wir ein Problem. Das Auto stand auf dem Berg und es wurde immer kälter. Nachts war es ca. 8 Grad und wir konnten unmöglich einfach irgendwo draussen schlafen. Die Deutschen hatten sich in der Zwischenzeit verabschiedet. Ich wollte gerade mit Johannes ins Restaurant, als der Abschleppwagen um die Ecke bog. Gott sei Dank! Eik fuhr mit ihm hoch und wir beide warteten unten in der Wärme.
Kurz vor 20.00 Uhr tauchten sie mit „Rusty“ auf der Ladefläche auf. Gemeinsam fuhren wir nach Idaho Springs, wo er den Van neben einer Autogarage auf dem Parkplatz platzierte. Zum Glück haben wir eine Pannendienst-Mitgliedschaft gelöst. Diese hatte sich schon das erste Mal bewährt. Auf den Schreck gönnten wir uns eine Pizza, bevor wir alle im Auto schliefen. Johannes schlief auf der Luftmatratze  halbwegs unter unserem Bett, aber es ging für die eine Nacht.

Frühmorgens um 7.00 Uhr gingen wir zur Garage. Allerdings hat uns der Mechaniker gesagt, dass er keine Zeit hätte. Was für ein Mist! Wir wollten mit dem Auto keine langen Strecken mehr zurücklegen, da wir nicht wussten, was es hatte. Auch eine andere Garage hatte keine Zeit und Idaho Springs ist ein kleines Örtchen, weshalb wir der Verzweiflung Nahe waren. Wir gingen nochmal in die erste Garage und wollten einfach nur wissen, ob wir mit dem Van noch fahren könnten. Immerhin hörte er sich nun das Problem an. Er meinte, dass sich das Auto überhitzt hätte und Getriebeöl ausfloss. Dasselbe hatte auch schon der Typ vom Abschleppdienst vermutet. So füllten wir ein paar Flaschen Getriebeöl auf und fuhren zur Shell Tankstelle. Dort gäbe es auch einen Mechaniker. Wir fragten ihn ebenfalls nach der Meinung und er bestätigte uns dasselbe. Was uns irritierte, dass es immer noch so stank als wir fuhren. Auch das sei „normal“. Wir wagten uns aus Idaho Springs weg und fuhren mit einem mulmigen Gefühl weiter. Es stank wirklich immer noch sehr und als wir Halt machten und unters Auto schauten, dampfte es auch. Oh weia… Das ungute Gefühl bewog uns bis zur nächsten Ortschaft mit einer Garage zu fahren und es nochmals zu zeigen. In Georgetown wurden wir rasch fündig und der Mechaniker hatte Zeit für uns. Er nahm sich unserem Anliegen an und machte einen seriösen Eindruck. Er konnte uns insofern beruhigen, als dass er meinte, es stinke noch ein paar Tage, bis das ausgelaufene Öl verdampft sei. Aufgrund der Bergfahrt hatte sich diese am ganzen Unterboden verteilt. Wir füllten nochmal eine Flasche Getriebeöl nach und weiter ging es.

Schlussendlich war es so, dass wir den Mount Evans nicht an dem Tag hätten fahren sollen. Der Berg ist steil und die Automatik schaltet wie wild hin und her. So wurde diese überhitzt und das Öl floss aus. Wir erfuhren auch, dass wir Berge besser nicht im „Drive“, sondern in der 1 oder 2 fahren sollten. Das wussten wir nicht und bis an dem Tag liess uns „Rusty“ auch nie im Stich.

In Grand Junction kauften wir noch zwei neue Hinterreifen. Der eine hatte Risse und wir fragten schon einige Mechaniker, ob der Reifen noch gut ist. Der eine in Georgetown bestätigte uns dann endlich unser Gefühl, diesen besser auszuwechseln, da uns in Richtung Las Vegas heisse Temperaturen erwarten werden.

Nach einer Nacht in Grand Junction auf einem verlassenen Campingplatz fuhren wir weiter zum Arches Nationalpark. Ein beeindruckender Park mit den einmaligen Felsformationen.  Zum berühmtesten Steinbogen (Arch) kann man eine kurze Wanderung machen. Bei heissen Temperaturen anspruchsvoller, denn es hat kaum Schatten. Dieser Bogen wird wohl der meist fotografierte des Arches Nationalparks sein. Wer noch nie dort war, soll diesen unbedingt auf der Route einplanen.

Wir fanden auf unserem App (Wiki Camps) einen Campingplatz in der Nähe des Monument Valley, welcher unweit des Eingangs liegt und vielversprechend klang. Von Duschen, über Wifi, Strom und BBQ war alles im Angebot. Als wir ankamen, sahen wir kein Zelt oder Camper und das Grundstück sah nicht nach einem Campingplatz aus. Merkwürdig, denn wir waren an der richtigen Adresse. Es rannte ein Mann durch den Garten und fragte uns, ob wir etwas suchen. Er war unser Gastgeber, mit welchem Eik am Morgen telefoniert hatte. Unter einem Campground hatten wir uns etwas anderes vorgestellt. Johannes konnte das Zelt im Garten aufstellen und wir durften unseren Van auf dem Parkplatz ausserhalb des Zauns hinstellen. Wir freuten uns nun endlich mal wieder auf eine Dusche. Als wir danach fragten, meinte er, dass wir die in seinem Haus benutzen könnten oder den Schlauch im Garten. Das fand ich schon etwas speziell, aber ich hatte eine Dusche dringend nötig (nach 3 Tagen…). So ging ich mit ihm ins Haus. Drin sass sein bester Kumpel vor dem Fernseher. Es waren beide Indianer, was für das Gebiet aber nichts aussergewöhnliches ist. Ich schloss mich im Bad ein und überlegte mir, ob ich hier wirklich duschen sollte. Es war glaube ich die schlimmste Dusche, die ich bis anhin angetroffen hatte. Nebst dem, dass sie extrem schmutzig war und überall Haare rumlagen (sogar in den Fliesen eingeklemmt), fiel es fast auseinander. Ich überwand mich und stieg in die Dusche. Wie ekelhaft! An die kalten Duschen habe ich mich auf unserer Reise gewöhnt, weshalb dies das kleinste Problem war. Eik tat es mir gleich und Johannes wollte dann doch lieber ungeduscht bleiben. Verständlich 😉

Lorenz (der Gastgeber) fragte uns alle halbe Stunde nach unseren Namen und erzählte uns merkwürdige Geschichten… Auch diese wiederholte er immer wieder. Er behauptete auch, dass er x Sprachen könne, jedoch nur immer ein paar Worte. So sprach er auch deutsch. Viel mehr als „ja, ja“, „alles super“ kam dabei nicht heraus. Als ich hinter dem Van stand, um unsere Sachen fürs Abendessen rauszuholen, kam er plötzlich zu mir. Er meinte, dass er mich mag… Leider sei ich etwas zu gross… Was wünschte ich mir in dem Moment mehr, als Eik oder Johannes, der mir aus der Patsche half. Leider Fehlanzeige, sie bemerkten das gar nicht oder waren froh, dass Lorenz mit mir beschäftigt war. Ich fühlte mich etwas unbehaglich und gleichzeitig tat mir Lorenz leid. Er erzählte mir, dass er im November 2016 seinen 27-jährigen Sohn bei einem Autounfall verloren hatte. Er hätte nie Alkohol getrunken, aber genau an dem Tag hätte er wohl welchen gehabt. Wirklich traurig und tragisch, wenn man solch einen Verlust erleiden muss. Gleichzeitig erzählte er mir, dass er mehrere Freundinnen in Europa hätte und nannte mich ständig „young lady“. Das war nett 😉
Endlich kam nun Eik um die Ecke und erlöste mich. Etwas später zeigte uns Lorenz sogar Fotos auf dem Handy von seinen „Freundinnen“. Ihm war es egal, dass er uns Bikinifotos von jungen Frauen entgegen streckte, obwohl Johannes da sass.
Die Sicht von diesem „Campground“ aufs Monument Valley war beeindruckend. Man sah die Hügel von der Ferne im Sonnenuntergang eintauchen. Schlussendlich war es bei Lorenz auch sehr unterhaltsam.

Am nächsten Morgen fuhren wir durchs Monument Valley, allerdings fanden wir es nur am Anfang imposant. Je weiter man die Strecke fuhr, desto unspektakulärer war es. Zudem war es eine ungeteerte Strasse und doch recht hügelig, was uns nicht gerade viel Spass machte. Ein 4 WD wäre um einiges entspannter gewesen.

Unser nächster Halt war in Page beim Lake Powell. Die Landschaft auf dem Weg dorthin ist sehr abwechslungsreich und überwältigend. Auch der Lake Powell mit seinem blauen Wasser zwischen den Felsformationen ist sehr schön. Wir gönnten uns zwei Nächte beim Campingplatz am See und dieses Mal war es ein richtiger Campingplatz 😉
Bevor wir in Page ankamen, fand ich, dass sich das Auto komisch fährt. So als hätten wir einen platten Reifen. Als wir anhielten und es überprüften, schien alles in Ordnung zu sein. Wir fuhren weiter und ich wurde das Gefühl nicht los, dass etwas nicht ok ist. Kurz darauf hielten wir nochmals an. Eik konnte beim einen Hinterreifen die Muttern von Hand anziehen! Das war der Reifen, den wir 2 Tage zuvor wechseln liessen. Wir konnten es nicht fassen, dass sie diese so fahrlässig montiert hatten bzw. nur einen. Da wir die Reifen bei Walmart gekauft hatten und es in jeder grösseren Ortschaft einen gibt, fuhren wir in Page dorthin und erzählten ihnen vom „Problem“. Sie schauten uns etwas ungläubig an. Nach einer Stunden konnten wir „Rusty“ wieder abholen, nachdem sie nochmals die Reifen geprüft und die Muttern richtig angezogen hatten. Ein Glück, dass wir unterwegs das Rad nicht verloren hatten.

In Page war es unglaublich heiss, weshalb wir uns entschieden einen Tagesausflug zum Grand Canyon (North Rim) zu machen. Es war zwar eine lange Strecke, aber wir wollten so oder so dorthin. Bis anhin war ich nur beim South Rim und ich muss sagen, dass es mir im Norden besser gefallen hat. Wir hatten auch dort wunderbarstes Wetter, weshalb es perfekt war, ein paar Fotos zu schiessen. Johannes hatte es bevorzugt, Steine zu sammeln. Das hat er bei jeder Gelegenheit gemacht und war enttäuscht, wenn es an einem Ort keine Steine gab.

Für den nächsten Tag stand mein Lieblingscanyon auf dem Programm. Der Bryce Canyon. Für mich einer der schönsten Canyons und ich wage zu behaupten, dass es auch Eik und Johannes gefallen hatte. Speziell der Blick über das Amphitheater ist einmalig. Die vielen roten Gipfelspitzen des Canyons beeindrucken mich jedes Mal wieder von neuem und ich konnte mich nicht satt sehen.
Beim Red Canyon hatten wir einen schönen und schattigen Campingplatz gefunden, wo wir die Nacht verbrachten. Auf dem Weg nach Las Vegas fuhren wir durch den Zion Nationalpark mit seinen hohen Felsen und grossen Schluchten. Allerdings hielten wir nur an, wenn wir ein Foto machen wollten, denn der Park war sehr überlaufen und Parkplätze nur schwierig zu finden. Des Weiteren fanden wir den Nationalpark nicht ganz so beeindruckend wie die anderen zuvor.

Wir steuerten weiter in Richtung Las Vegas und wollten in einem State Park campen. Allerdings gab es kaum Schatten und die Temperaturen waren bei über 40 Grad. Kaum auszuhalten bis zum Sonnenuntergang. Wir kühlten uns in einem Starbucks ab und ich entschied spontan, dass ich uns ein klimatisiertes Hotelzimmer in Las Vegas gönne. Wir reisten somit eine Nacht früher als geplant an, aber mir war das nur recht. Das Hotel lag zwar nicht direkt am Strip, aber innert 10 Gehminuten konnten wir diesen problemlos erreichen. In Las Vegas war ich zuvor schon etwa 9x und somit konnte ich die Beiden rumführen. Für die darauffolgenden zwei Nächte hatten wir uns ein Zimmer im Excalibur gebucht. Ein Märchenschloss von aussen und eines der ältesten Hotels am Strip. Wir hatten uns unter anderem für dieses entschieden, weil es vier Pools hat. Allerdings waren die Öffnungszeiten ein Witz. Zum einen waren nicht alle gleichzeitig geöffnet und zum anderen war der früheste um 9.00 Uhr offen und der späteste schloss um 19.00 Uhr (Erwachsenenpool ausgenommen). Um die Jahreszeit hat man in Las Vegas auch nachts über 30 Grad, weshalb wir es sehr sinnlos fanden, dass sie so kurze Poolzeiten hatten. Am Morgen standen die Leute Schlange um reinzukommen.
Am 4. Juli feiert Amerika den Independence Day (Nationalfeiertag) und so wie wir im Internet gelesen hatten, steppt in Vegas der Bär. Das war für uns ein Hauptgrund an dem Tag in Las Vegas zu sein und so freuten wir uns, als um 21.10 Uhr das Feuerwerk angesagt war. Viele Menschen standen auf den Fussgängerbrücken und warteten. Leider blieb es beim Warten. Nach etwa 40 Minuten gaben wir es auf, dass irgendwann überhaupt noch eine Rakete hochgeht. Es war eine ziemliche Enttäuschung, denn der Nationalfeiertag war wie jeder andere Tag sonst. Es war absolut nichts los.

„Rusty“ lief seit dem Mount Evans gar nicht so schlecht bis zu dem Tag, an dem wir zum Outlet-Center fuhren. Es stank extrem und wir hatten zuerst einen Lastwagen auf dem Highway im Verdacht. Allerdings hörte es nicht auf zu stinken und plötzlich meinte Eik, dass es bei uns beim Hinterreifen rauche. Wir fuhren weg vom Highway und holten schon mal den Feuerlöscher aus dem Auto. Wir realisierten, dass wir mit angezogener Handbremse rund 15 Minuten rumfuhren. Nun überkam uns fast ein Lachanfall, dass uns sowas passiert war. Johannes fand es nicht ganz so amüsant wie wir. Er brachte sich schon mal in der Nähe eines Strauches in Sicherheit. Man muss dazu sagen, dass die Handbremse bei dem Oldschool Ford ein Tretpedal ist und es auch keine funktionierende Anzeige gibt, dass sie angezogen ist. Da wir sie nur sehr selten anziehen, vergass Eik sie schlichtweg zu lösen und ich hatte diese am Tag zuvor angezogen. Dieses Mal war es somit nicht „Rusty’s“ Schuld 😉

Wir verabschiedeten uns nach 3 Tagen von Las Vegas und fuhren zum Hover Dam. Während man über den Hover Dam fährt, kommt man zum einen in einen anderen Bundesstaat (Nevada und Arizona) und zum anderen in eine andere Zeitzone (1h Zeitverschiebung). Noch witzig, denn man überquert lediglich einen kurzen Damm. Es war 45 Grad und kein Schatten in Sicht. Somit stoppten wir nur kurz beim Dam und machten uns auf den Weg in Richtung San Diego. Leider kamen wir nicht gerade weit, denn ich hatte das Gefühl, dass der Van wieder stank und so fuhr ich auf einen Platz neben der Strasse. Beim Rausfahren bemerkte ich, dass die Servolenkung nur schwer funktionierte. Es war ein Déjà-vu als wir feststellen mussten, dass erneut Getriebeöl ausfloss. Was für ein Mist! Nicht schon wieder… Ehrlich gesagt, verfluchten wir „Rusty“ in dem Moment sehr und hinterfragten diesen alten Van gekauft zu haben. Da wir die Schwachstelle des Autos kennen, führen wir nun immer Ersatzöl mit, damit wir es jederzeit und überall problemlos auffüllen können. Es war uns klar, dass wir „Rusty“ auskühlen lassen müssen und so warteten wir etwa 1,5 Stunden in der Hitze. Die hohen Temperaturen halfen bei der Abkühlung nicht gerade viel. Vier Polizeiautos kamen in dieser Zeit vorbei und einer brachte uns sogar Wasser. Sie wollten nur sicherstellen, dass wir noch leben. Das sagte zumindest einer von ihnen. Bis 21.00 Uhr dürften wir dort stehen bleiben, aber nicht länger.
Wir wagten es kurz vor 20.00 Uhr ein paar Kilometer zu fahren, bis eine Lodge kam. Dort überprüften wir den Van nochmal und er machte einen guten, stabilen Eindruck. Da es auch am nächsten Tag brütend heiss werden wird, entschieden wir uns, nachts soweit wie möglich zu fahren und dann irgendwo an der Strasse im Van zu schlafen. Soweit kam es allerdings nicht 🙁 Das Auto stank nach ein paar hundert Metern wieder und bei der Ampel erstickte uns fast der Motor. Es war nun klar, dass wir nicht weiter als Boulder City fahren wollten, denn in diesem Ort hatte es mehrere Autogaragen und Motels. Mit Mühe und Not haben wir es um 21.00 Uhr zur Autogarage geschafft, wo wir „Rusty“ parkierten und uns nebenan ein Motelzimmer nahmen. Es war frustrierend und da Johannes mit uns reiste natürlich auch sehr unschön, denn sowas wollten wir ihm ersparen.
Am nächsten Morgen um 7.00 Uhr gingen wir zur Garage und erklärten ihnen das Problem. Glücklicherweise hatten sie Zeit und sie machten einen kompetenten Eindruck. Nach 3,5 Stunden nahmen wir den Van wieder in Empfang. Wir rechneten damit, dass es diesmal etwas grösseres und vor allem teureres wird. Sie fuhren mit dem Van zum Hover Dam, um den Motor aufzuheizen und zu schauen, was passiert. „Rusty“ habe sich normal verhalten. Daraufhin haben sie ein paar Sachen gereinigt (Ventilator etc.) und den Deckel vom Kühler ausgewechselt. Dieser hielt den Druck nicht mehr so gut aus, was scheinbar schneller zur Überhitzung führen könne. Wie auch immer, sie haben nichts grösseres gefunden und es lag wieder mal an der Überhitzung des Autos. Unser Fazit: „Rusty“ ist weder hitze- noch bergresistent.

Unser Plan an die Küste zu fahren, war für uns alle gut, denn die Hitze hielt man im Landesinneren kaum aus. Die Fahrt mit dem Van war nicht mehr so entspannt, weil wir täglich damit rechneten, erneut ein Problem zu haben. Nun fuhr er aber wieder bestens und Eik überprüft fast täglich das Öl. Interessanterweise war die Fahrt von Vancouver nach Denver problemlos. Nicht einmal war irgendetwas und das war eine lange und teils bergige Strecke.

Wir verbrachten 3 Nächte in der Nähe von San Diego auf Campingplätzen, wo es schon viel angenehmer war. Die Temperaturen waren um einiges erträglicher und so bekundeten wir die Umgebung. La Jolla ist super für einen Stop. Dort gibt es Seelöwen direkt an der Küste, welche für Unterhaltung sorgen. Interessant, dass diese keine Furcht vor den Menschen haben, denn es gibt viele Touristen, die sich das anschauen und recht nahe rangehen. Auch Pelikane und andere Seevögel gibt es zu beobachten.

Johannes hatte zu seinem Geburtstag im Dezember einen Gutschein für einen Tag im Six Flag Park bekommen. Da es mir schon schlecht wird, wenn ich rückwärts in der Metro fahre, entschied ich mich nicht mitzugehen. Die beiden verbrachten 10 Stunden darin und liebten es, die Achterbahnen hoch- und runterzufahren. Ich genoss einen Tag für mich und verbrachte einen Teil der Zeit im Gold’s Gym. Seit Ewigkeiten war ich nicht mehr in einem Fitnesscenter.

Die anschliessenden Tage verweilten wir an der Küste von Los Angeles, besuchten den Santa Monica Pier und genossen es einfach, am Strand sein zu können. Einen Tag verbrachten wir in Hollywood, machten eine geführte Bustour durch die Villengegend von Belair und Beverly Hills. Es waren an einem Ort drei junge Männer, die uns zuwinkten und ein paar in unserem Bus flippten fast aus. Das waren scheinbar irgendwelche Promis, aber wir kannten sie nicht.
In Los Angeles und Umgebung leben 18 Millionen Menschen. Wir waren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und trafen viele komische Vögel an. Da fühlt man sich in einem Auto schon etwas wohler. Wir wollten allerdings nicht mit dem riesigen Van in die Stadt und mühselig einen Parkplatz suchen. Zudem steht man in Los Angeles ständig im Stau und zahlt für die Parkplätze horrende Gebühren.

Für die beiden letzten Nächte hatten wir ein Airbnb in der Nähe des Flughafens von Los Angeles. Es war die schlechteste Unterkunft, welche wir über Airbnb bis anhin gebucht hatten. Die Familie hatte fünf Kinder und mindestens fünf Hunde. Auch sonst waren ständig Leute im Haus, was etwas für Unruhe sorgte. Die erste Nacht buchten wir spontan dazu, da wir keinen Campingplatz gefunden hatten. Johannes wollte nicht nochmal in unserem Van auf dem Boden schlafen (zuvor fand er es ab und zu witzig), weshalb wir uns dafür entschieden hatten. Der Raum war nur mit einem Vorhang abgetrennt und das Bett war sehr schmal und hart. Eher wie ein Massagebett/-zimmer. Eik und ich schliefen draussen im Van. Die zweite Nacht hatten wir einiges im Voraus gebucht und dies war ein richtiges Zimmer mit Türe. Das Bad war sehr schmutzig, allerdings nicht ganz so schlimm wie bei Lorenz. Wir konnten ihre Waschmaschine und den Trockner benutzen. Dies war aber alles andere als Spass. Beim einen Mal, wo ich zur Waschmaschine rausging (Schopf neben dem Haus), fielen mich die Hunde fast an. Der eine Sohn stand daneben und kümmerte dies wenig.

Am Samstag Morgen, 15. Juli 2017 war es für Johannes Zeit, sich zu verabschieden. Eik flog mit ihm von Los Angeles nach Denver, wo die Mutter von Johannes ihn erwartete. Einmal mehr hatte ich einen Tag für mich und einmal mehr, landete ich in einem Fitnesscenter. Diesmal entschied ich mich fürs LA Fitness. Der Typ am Empfang liess mich sogar gratis rein. Frau zu sein, hat manchmal seine Vorteile 😉 Um 17.00 Uhr war Eik wieder zurück und wir genossen den späten Nachmittag am Manhatten Beach. Ein wunderbarer Strand, welcher nicht ganz so überlaufen ist, wie der Venice Beach.

Abends fuhren wir nach Santa Monica, spazierten nochmals übers Pier und übernachteten auf dem Parkplatz des Civic Centers.

Ich würde behaupten, dass wir Johannes in den knapp 3 Wochen vieles von Amerika zeigen konnten. Es war unschön, dass wir 3x Probleme hatten mit „Rusty“, aber das gehört wohl auch zu unserem Abenteuer dazu, wo Johannes uns für kurze Zeit begleitete. Nur 4 Nächte hatten wir mit ihm in einem Hotel/Motel übernachtet. Ansonsten waren wir auf Camping- oder Parkplätzen. Zuallerletzt noch das miese Airbnb, welches von bisherigen Gästen sehr gut bewertet wurde.

Eik und ich haben es uns seit Denver zur Gewohnheit gemacht 3x wöchentlich am Morgen eine Joggingrunde einzulegen, denn für unseren Geschmack fehlt uns die Bewegung auf dem Roadtrip. Mal schauen, wie lange wir dies durchziehen…

Nach 5 Wochen hatten wir bereits 7’000km mit „Rusty“ zurückgelegt. Von dem alten Mechaniker „Hal“ in Vancouver hatten wir noch eine grüne Decke mitgenommen. Wir dachten, dass wir diese gebrauchen würden, wenn wir mal unter „Rusty“ kriechen müssen. Dies war nicht der Fall, so dass diese im Weg rumlag. In Los Angeles schenkten wir sie einem Obdachlosen. Er hat sich sehr gefreut und sich mit „God bless you“ bedankt. Es war ein gutes Gefühl, die Decke jemandem gegeben zu haben, der sie auch wirklich braucht.

Highlights Roadtrip Teil 2: viele schöne und sehenswerte Nationalparks, wunderbares Wetter, Besuch von Johannes, Motivation zum Joggen, einen Obdachlosen beschenkt

Lowlights Roadtrip Teil 2: Pannen mit „Rusty“, Airbnb in Los Angeles, viel zu heiss in der Umgebung von Las Vegas, übles Verkehrsaufkommen rund um Los Angeles (rush hour 24/7), Eik hat meine Schwimmbrille dem Ozean übergeben 🙁

 

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