Am Freitag, 14. September 2018 überquerten wir die Grenze von Albanien nach Griechenland. Wir waren gespannt auf das Festland der Griechen, den viel von diesem schönen Land, kannten wir noch nicht. Netterweise haben wir im Vorfeld einige Tipps von den zwei Griechenlandkennern Cisco und Elena erhalten. Herzlichen Dank dafür!

Unser erster Stop in Griechenland war die Vikos Schlucht, welches die grösste Schlucht Europas ist. Um sie zu besichtigen, stellt man am besten das Auto im dem herzigen Ort Monodendri ab und spaziert gemütlich zur Schlucht.
In Ioannina fanden wir einen Campingplatz direkt am See. Das Stadtzentrum besteht aus vielen engen Gassen und Gebäuden aus der osmanischen Zeit. Läuft man dem Seeufer entlang säumen unzählige Restaurants die Promenade.

 

Am nächsten Tag waren wir gespannt auf das älteste Orakel Griechenlands. Dodona zählt nach Delphi zum bedeutendsten. Und ja, ehrlich gesagt wussten wir nicht, wie ein Orakel aussah. Wir vermuteten ein Gebäude oder eine Statue, die als Orakel gekennzeichnet ist, aber Fehlanzeige. Am Eingang fragten wir danach und sie erklärten uns, dass es nicht das ist, was wir erwartet hatten. Vielmehr deuteten damals die Griechen ein Rauschen in der heiligen Eiche ihre Weissagungen. Zumindest ist es das, was wir verstanden haben. Nebst dem Orakel trifft man unter anderem auf eines der grössten Amphitheater aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, welches noch sehr gut erhalten ist und damals bis 17’000 Zuschauer Platz fanden.

 

Die Reise führte uns weiter nach Kalambaka in Thessalien. Hört man den Namen, klingelt es noch nicht so vielen in den Ohren. Erwähnen wir Meteora, weiss der eine oder andere nun bestimmt, wo das liegt. Der Ort ist bekannt für die Klöster, welche auf hohe Sandsteinfelsen im 14. und 15. Jahrhundert gebaut wurden. Meteora gehört zu dem UNESCO-Weltkulturerbe, was in unseren Augen mehr als verdient ist. Der Ort war für uns sehr magisch und atemberaubend. Nach unserer Ankunft auf dem Zeltplatz wollten wir noch einen kurzen Abendspaziergang durch den Ort machen. Eik’s Worte vor dem Aufbruch: „Lass uns noch eine kleine Runde drehen. Wir machen heute mal einen ruhigen.“ Daraus wurde eine 2,5-stündige Wanderung mit ein paar Höhenmetern 😉 Wir erklommen die Felsen bis wir beim Holy Spirit waren. Eine Leiter führte auf einen weiteren Felsen, wo eine Glocke hing, die wir selbstverständlich läuteten. Die Aussicht von dort oben war gigantisch und wir bereuten es nicht, dass es nicht nur bei einem gemütlichen Dorfspaziergang blieb. Von den ursprünglich 24 Klöster sind heute noch sechs bewohnt. Die anderen sind entweder zu schwer zu erreichen oder es herrscht Einsturzgefahr. Ein paar kann man auch für einen Eintrittspreis von EUR 3.-/P. besichtigen, was wir auf jeden Fall empfehlen. Wir entschieden uns für das Kloster Metamórphosis/Megálo Metéoro und Varlaám. Beide sind sehr sehenswert und total imposant. Es ist wie wenn man ein Museum und nicht ein Kloster besuchen würde. Unzählige gut erhaltene Wandmalereien, Manuskripte und andere Gegenstände aus den früheren Zeiten sind zu betrachten. Früher waren die Klöster nicht so einfach per Treppe zu erreichen wie heute. Sie hatten eine Seilwinde, um die Mönche und Waren nach oben zu transportieren. So setzte sich der Mönch unten ins Netz, hängte den Hacken ans Netz und oben drehten ein paar Mönche die Seilwinde bis der Mönch oben war. Ob das immer gut ging, wissen wir nicht 😉 Meteora ist auch ein Mekka für Kletterer. An dem Wochenende, wo wir da waren, fand gerade ein Wettkampf statt und so konnten wir viele beobachten, wie sie die gewaltigen Felswände hoch- und runterkletterten. Den Sonnenuntergang von einem der vielen Felsen zu bestaunen, lohnt sich ebenfalls sehr. Uns gefiel es so gut in Meteora, dass wir zwei Nächte dort verbrachten, bevor wir nach Delphi weiterzogen.

 

Wer Delphi hört, denkt vermutlich an das Orakel. Es ist wohl das bekannteste Orakel aus dem antiken Griechenland. Wir wollten uns dies nicht entgehen lassen und freuten uns auf die Besichtigung am kommenden Tag. In der Nähe fanden wir einen Campingplatz mit einer gigantischen Weitsicht bis zum Golf von Korinth. Wir sassen wie auf einer riesigen Terrasse am Abhang und konnten uns nicht satt sehen. Es war einfach nur wunderschön und die Sonnenuntergänge krönten unseren Tag. Der Eintritt in Delphi kostet EUR 12.-/P.. Darin enthalten ist sowohl die archäologische Ausgrabungsstätte als auch das Museum. Beides hat uns beeindruckt, obwohl man bei der Ausgrabungsstätte teilweise nur noch ein paar Ruinen sieht. Wenn man jedoch bedenkt, dass es aus der Zeit vor Christus stammt und somit etwa 2’500 Jahre alt ist, sind vor allem die Statuen und archetypischen Gegenstände noch in einem recht guten Zustand.
Nach zwei Nächten in Delphi zogen wir weiter nach Korinth. Es lohnt sich auf die Festung „Akrokorinth“ zu gehen und dort eine Runde zu drehen. Der Eintritt ist frei und die Aussicht wunderschön.

 

Viele Nächte haben wir im Zelt verbracht. Als wir eines Morgens direkt auf dem Boden lagen, war klar, dass die Luftmatratze irgendwo ein Loch hat, welches wir glücklicherweise schnell gefunden haben. Es war nur so gross wie eine dünne Nadel und so versuchten wir es abzudichten. Fortsetzung folgt…

Epidauros ist das best erhaltenste Amphitheater aus der griechischen Antike. Noch heute finden darin Konzerte und Theateraufführungen statt, da es eine einmalige Akustik hat.

Wir hatten mal wieder das Bedürfnis in einem richtigen Bett zu schlafen, weshalb wir uns nach sieben Nächten ein Zimmer gönnten. Nur eine schmale Strasse trennte uns vom Strand und wir genossen es so richtig. Spontan verlängerten wir um eine weitere Nacht und relaxten mal einen ganzen Tag. Das kommt bei uns wirklich sehr selten vor, dass wir gar nichts machen. Gut, ohne einen Spaziergang durch den Ort ging es dann doch nicht 😉 Seit langem war das Wifi richtig gut und so konnten wir ein paar Sachen erledigen wie z. B. den letzten „Rusty“-Blog publizieren.

 

Nebst Delphi kennen wohl alle Olympia, nur schon deswegen weil dort die olympischen Spiele ins Leben gerufen wurden. Wir waren bereits bei einigen antiken Ausgrabungsstätten und ich nannte es jeweils liebevoll „Steinhaufen anschauen gehen“. Viel mehr als ein paar Steine, die rumliegen, sieht man an vielen Orten nicht mehr. In Olympia kann man immerhin noch erahnen, wie gross der Ort damals war und man sieht noch den einen oder anderen Grundriss. Wir liefen durch den Torbogen, zum olympischen Stadion, was für mich eigentlich fast das eindrücklichste war, denn vor vielen vielen Jahren wurden dort ja die olympischen Spiele der Antike ausgetragen. Die Spiele wurden in Olympia während 1’169 Jahren durchgeführt. Das ist fast unvorstellbar und vor allem wurden sie nicht einmal ausgelassen und die Spiele verliefen immer friedlich. Für Frauen war es streng verboten an den olympischen Spielen teilzunehmen oder auch nur als Zuschauerinnen das Stadion zu betreten. Die Frauen, die das Verbot missachten würden, sollten vom Berg Typaion herabgestürzt werden. In der heutigen Zeit nicht mehr vorstellbar. Für Frauen gab es später eigene Wettkämpfe. Ob dort Männer zugelassen waren?

 

Es war an der Zeit, uns auf den Weg in Richtung Patras zu machen, denn am Dienstag, 25. September 2018 hatten wir unsere Fährüberfahrt nach Brindisi (Italien) gebucht. In Palouki nächtigten wir auf dem Campingplatz Paradise, welcher seinem Namen alle Ehre machte. Dadurch, dass es inzwischen nicht mehr Hauptsaison war, drängte sich nicht mehr ein Zelt oder Wohnwagen an den nächsten. Für unser Zelt und das Auto hatten wir viel Platz mit Sicht aufs Meer. Die Spannung stieg als wir unsere Luftmatratze aufgeblasen hatten, ob sich die Luft hält. Nun ja, wir merkten recht schnell, dass dies nicht der Fall war. Aus einem nadelgrossen Loch wurden zwei viel grössere Löcher neben der geflickten Stelle. Vermutlich hat sich der Leim durch das Material gefressen. Anders können wir uns das nicht erklären. So flickten wir das geflickte nochmal und versuchten es erneut. Im ersten Moment sah es gar nicht schlecht aus, doch plötzlich gab es ein riesen „pffffffff“ und ich konnte mir vor Lachen kaum den Bauch halten. Das geflickte hielt zwar, aber daneben gab es ein neues Loch und das war richtig gross. In dem Moment wussten wir, dass es eine harte Nacht werden würde. Trotz der nicht mehr sehr luxuriösen Schlafverhältnisse entschieden wir uns, eine Nacht länger am Meer zu bleiben, denn es gefiel uns dort sehr. Es hatte einen langen schönen Sandstrand und der erste Sandstrand seit unserer Europatour. Was unschön war, waren die vielen Abfälle die rumlagen. Teils vom Meer angeschwemmt und teils lieblos am Strand weggeworfen. Es gab uns sehr zu denken, dass selbst in Europa viele unachtsam mit ihrer Umwelt umgehen.
Die Fähre von Patras nach Brindisi legte um 17.00 Uhr ab und die Überfahrt dauerte 17 Stunden. Da wir nachts unterwegs waren und wir am nächsten Tag nicht total gerädert ankommen wollten, gönnten wir uns eine Innenkabine. Die Verschiffung des Autos plus die Innenkabine kostete uns knapp CHF 300.-. Wegen des schlechten Wetters war es teilweise untersagt, sich auf dem Aussendeck aufzuhalten. Pünktlich legten wir in Italien morgens um 9.00 Uhr an und wurden von einem starken kalten Wind begrüsst. In Griechenland war es immer über 30 Grad und nun hatten wir noch 18.

 

Entlang der Adriaküste fuhren wir nördlich, machten einen kurzen Stadtrundgang durch Monopoli, bevor es weiter nach Polignano a Mare. Definitiv ein „must stop“, wenn man dort vorbeikommt. Nun waren wir sogar froh um den starken Wind, denn die Wellen peitschten in die Bucht, was es zu einem wunderschönen Naturschauspiel machte.

 

In Vieste übernachteten wir in einer Unterkunft auf einem Hügel mit einer grandiosen Aussicht aufs Meer. Wir waren nicht mehr traurig, dass unsere Luftmatratze den Geist aufgegeben hatte, denn zum campen wäre es sowieso zu kalt gewesen und die Sonne ging bereits um 19.45 Uhr unter. Gegen ein schönes Zimmer hatten wir deshalb nichts einzuwenden.
Am Folgetag schlenderten wir durch die vielen kleinen Gassen von Vieste, wo man auf viele kleinere Läden, Restaurants und Gelaterias trifft.
Die Gastgeberin hatte uns den „Foresta Umbra“ empfohlen. Der Wald ist nur wenige Fahrminuten von der Küste entfernt und lag für uns mehr oder weniger auf der Route. Ein krasser Gegensatz zwischen Meer, Sandstrand und dem dichten Wald.

 

Im Ort Castel di Sangro hatten wir abends noch etwa 10 Grad. Ja, wir waren nördlicher als noch in Griechenland und der verschlafene Ort lag etwas höher, aber dennoch rechneten wir nicht mit einem so grossen Unterschied. Die Weihnachtsbeleuchtung brannte sogar schon, was irgendwie sehr passend war, auch wenn es erst der 27. September 2018 war.

In Tivoli besichtigen wir die Villa d’Este, die wohl schönste im Barockstil. Ein grosser Palast umgeben von einer wahnsinnig schönen Parkanlage. Viele Brunnen, kleine Wasserfälle und sonstige Wasserspiele sowie Statuen zierten den Garten. Im Palast findet man riesige Wandmalereien, welche noch gut erhalten sind. Ein Meisterwerk der Kunst.

 

Weiter ging es durchs Landesinnere in Richtung Rom. Wie schon in den Ländern zuvor, versuchten wir die Autobahn und somit die Maut zu meiden, was uns aber schöne Orte bescherte. Man sieht definitiv viel mehr vom Land, als wenn man auf der Autobahn durchheizt. Wir nächtigten in der Nähe von Rom und besichtigten am nächsten Morgen die Archäologische Städte Ostia Antica. Früher war dies ein wichtiger Hafenort für die Römer. Das Ganze ist noch recht gut erhalten und relativ gross. Man kann vielfach auch durch die verschiedenen Ruinen laufen, wenn man etwas weggeht vom üblichen Pfad. Der Eintritt kostet EUR 12.-/P..

 

Am Samstag um 14.30 Uhr empfingen wir Eik’s Sohn am Flughafen in Rom für den Urlaub mit uns. Nach einem Grosseinkauf im Lidl bezogen wir unser Airbnb, in welchem wir für die nächsten vier Tage einquartiert waren. Herrlich, mal das Auto stehenlassen zu können 🙂
Eik und ich waren bereits zweimal in Rom, aber es war Eik’s Anliegen, Johannes die ewige Stadt zu zeigen, denn in der Schule lernte er einiges über die Geschichte. Wir waren sehr viel zu Fuss unterwegs und besichtigten unter anderem die Engelsburg, den Petersdom (Vatikan), das Phanteon, das Forum Romanum, ein Museum und selbstverständlich das Kolloseum. Im Kolloseum hatten wir eine Underground-Tour gebucht, weil sich dies Johannes gewünscht hatte. Rom ist definitiv immer wieder eine Reise wert.

 

Italien besticht mit ihren vielen schönen kleineren Ortschaften, welche sich ideal eigenen, einen Stop einzulegen und die Füsse zu vertreten. Orvieto z. B. lohnt sich auf jeden Fall. Als wir dort ankamen, steuerten wir direkt auf eine Gelateria zu. Wo gibt es besseres Eis als in Italien? Gestärkt erklommen wir den Turm (EUR 2.80/P.), von welchem man eine schöne Sicht über das Städtchen erhaschen kann. Von dort aus sieht man bereits den wunderschönen Dom, den man aber auf jeden Fall auch aus der Nähe betrachten sollte. Für die Innenbesichtigung verlangen sie Eintrittsgeld.
Auch Siena zu besichtigen ist empfehlenswert. Im Reiseführer steht, dass die Stadt nebst Florenz zu den schönsten Städten in der Toskana zählt. Wir hatten zwei Stunden, um uns einen Eindruck zu verschaffen, fanden es aber nicht so besonders herausragend, wie Florenz, wo unser nächster Halt war. Vielleicht hätten wir uns auch mehr als zwei Stunden Zeit nehmen sollen.
Am schönsten ist Florenz in unseren Augen von einem Aussichtspunkt zu bestaunen. Man kommt sowohl zu Fuss als auch mit dem Auto dorthin. Die ganze Stadt auf einen Blick und wenn das Wetter passt, umso schöner 🙂

 

Es war nun an der Zeit, dass ich mich von Eik und Johannes verabschiedete, denn ich fuhr mit dem Zug nach Verona, wo ich drei liebe Freundinnen für ein verlängertes Wochenende traf. Insgesamt waren wir drei Nächte in Verona und in der Kurzfassung haben wir folgendes gemacht: Rumschlendern, Shoppen, Essen und Trinken 🙂 Ich habe die Zeit mit den drei Mädels sehr genossen. Am Sonntag, 7. Oktober 2018 ging es mit dem Zug zurück in die Schweiz.

 

Eik verbrachte noch ein paar Tage mehr mit Johannes in Italien. Sie besuchten die Orte San Gimingano, Pisa, Cinque Terre, Mailand und fuhren am Lago Maggiore entlang in die Schweiz, wo sie am Dienstag, 9. Oktober 2018 für eine Nacht blieben, bevor sich zurück nach Deutschland fuhren.

In Griechenland ist bei den Ausgrabungsstätten vieles nicht mehr so gut erhalten, wie wir es erhofft hatten. Da findet man in Italien noch besser erhaltenere Orte, die man besichtigen kann (z. B. Pompeji oder Rom). Generell hat uns die Reise durch Europa sehr gut gefallen und wir werden sicher auch mal wieder eine Reise in die Nähe machen und nicht immer nur in die Ferne 😉

Eik und ich verbrachten noch ein paar Tage in unseren jeweiligen Elternhäusern und trafen Freunde und Familie bis es am Dienstag, 16. Oktober 2018 hiess: Boarding for Africa

Highlights: Vikos Schlucht (GR), Meteora (GR), Delphi (GR), Olympia (GR), Polignano a Mare (IT), Rom (IT), Besuch von Johannes, mein verlängertes Wochenende mit drei lieben Freundinnen

Lowlights: Abfallproblematik

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