Zum Abschied bei meinem letzten Arbeitgeber habe ich einen Smartbox Gutschein für eine Übernachtung in Europa erhalten. In Lanzarote hat es sich gut angeboten, diesen einzulösen und so buchten wir eine Nacht vom 17. auf den 18. Mai 2026 in einem Hotel in Costa Teguise.
Wir bekamen sogar ein Apartment und waren etwas überfordert mit so viel Platz 😄

Eik ging nach dem Auschecken noch in die Spa und Schwimmen. Es lag auf demselben Gelände wie das Hotel. In den Bereich können jedoch auch auswärtige Gäste. In der Zeit ging ich spazieren.
Wir haben ausgemacht, dass wir uns nach 1,5h, sprich um 13.30 Uhr bei unserem Büssli treffen werden. Ich kam gerade beim Büssli an, als ich Eik auf mich zurennen sah. Ehrlicherweise habe ich mich gewundert, denn so beeilen musste er sich wegen mir nicht 😉
Als er ankam, sagte er nur: „Mein Handy wurde geklaut!“.

Das iPhone befand sich in der Männergarderobe in einem verschlossenen Spind, der mit einem Zahlenschloss gesichert war. Dieses wurde geöffnet und das Telefon aus seiner Hose gestohlen.

Mit meinem iPhone konnten wir seines orten. Es war in Arrecife, der Hauptstadt von Lanzarote und rund acht Fahrminuten entfernt.

Den Vorfall haben wir umgehend an der Spa-Rezeption gemeldet, entschieden uns aber, nach Arrecife zu fahren, um dem Dieb auf die Spur zu kommen.

Im „Wo ist“-App sahen wir die Adresse und so klingelten wir an der Haustüre. Eine Frau öffnete die Türe und wir fragten sie nach dem Handy. Etwas verdutzt schaute sie uns an und wir versuchten mit meinem bisschen Spanisch, mit ihr zu kommunizieren. Es ging nicht lange als eine zweite Spanierin dazukam. Sie rief dann gleich ihren Bruder an und wir versuchten mit Händen und Füssen zu erklären, weshalb wir geklingelt haben.

In der Zeit sah Eik im App, dass es inzwischen eine andere Hausnummer anzeigt. Nun war es die Nummer auf der anderen Strassenseite. Im oberen Stockwerk schaute jemand aus dem Fenster und so ging Eik rüber und klingelte dort auch. Es öffnete eine Familie die Türe und es dauerte auch hier nicht lange, bis etwa fünf Familienmitglieder draussen standen. Ein junger Mann (vermutlich ihr Sohn) kam gerade Nachhause und er sprach etwas Englisch. Natürlich stritten alle ab, dass sie es waren und auf dem App änderte sich immer Mal wieder die Hausnummer. Alle Nummern befanden sich jedoch in dem Radius, wo wir bereits waren.
Da dies so nichts brachte, liessen wir uns vom jungen Mann die Nummer der Polizei geben. Es war zwecklos, dies auf eigene Faust zu probieren.

Als nächstes fuhren wir zurück ins Hotel. An der Rezeption wurden sie inzwischen von der Spa Rezeption informiert. Da es in der Spa beim Eingang eine Kameraüberwachung gibt, fragten wir, ob es nicht möglich sei, dass sie sich diese anschauen. Wir konnten ja den Zeitraum auf die 1,5h eingrenzen. Die Dame von der Rezeption sprach kurz mit dem Hotel Manager. Dieser liess uns ausrichten, dass wir zuerst zur Polizei (Guardia Civil) gehen müssen und sie dann hierher kommen werden, um die Kameraaufzeichnung auszuwerten.

So fuhren wir zur Guardia Civil, welche fünf Fahrminuten entfernt lag. Die Polizisten konnten kaum Englisch und wir mit unserem Spanisch, na ja. Sie organisierten eine Dolmetscherin, welche etwa 20 Minuten später eintraf. Wir schilderten ihr den Vorgang und es dauerte ca. 1,5h bis wir ein vierseitiges spanisches Dokument in den Händen hielten. Dies nützt uns nicht viel, da wir keine Versicherung für so etwas abgeschlossen haben.

Es stellte sich heraus, dass die Guardia Civil für den betreffenden Bereich in Arrecife (wo sich das Handy befindet) nicht zuständig ist, sondern die Policia National. Sie meinten, dass sie es ihnen gemeldet hätten und wir von ihnen hören, falls sie es finden.

Wir entschieden uns, mit dem Dokument nochmal ins Hotel zu gehen und hofften auf die Videoüberwachung. Zu dem Zeitpunkt war der Hotel Manager nicht im Hause. Er sei in einer Stunde wieder vor Ort und so lange können sie nichts unternehmen.

Es fühlte sich wie eine Sackgasse an und wir wollten auch nicht viel Zeit verstreichen lassen, denn die Spur war noch heiss. Zudem werden wir Lanzarote und somit auch die Kanaren in drei Tagen verlassen.

Während der ganzen Zeit bei der Polizei oder unterwegs, haben wir ständig beobachtet, ob sich das Handy bewegt. Wir haben auch auf Eik’s Nummer angerufen und Nachrichten gesendet. Der Dieb hat sogar zweimal zurückgerufen und zweimal den Anruf entgegengenommen, aber natürlich gleich aufgelegt.

Um 15.29 Uhr zeigte es einen neuen Standort an. Somit war klar, dass das Handy in Bewegung ist. Dies konnten wir der Guardia Civil noch mitteilen, entschieden uns jedoch, auf eigene Faust nochmals nach Arrecife zu fahren. Vielleicht wurde das Handy ja irgendwie deponiert oder was auch immer. Die Distanz zum ursprünglichen Standort betrug lediglich 400m. Und nun veränderte sich der Standort nicht mehr. Vorher wechselten ja ständig die Hausnummern und jetzt schien es an Ort und Stelle zu bleiben.

Wir suchten den Ort ab und liessen mit meinem Telefon Klingeltöne bei Eik’s Handy abspielen. Das sollte man eigentlich hören, wenn es in der Nähe ist. Da sah ich grosse Müllcontainer und sagte zu Eik: „Vielleicht hat er es weggeworfen.“

Es gab dort mehrere kleinere Mülleimer und sechs grosse Müllcontainer. Wir suchten zuerst in einem kleinen Eimer. Nichts. Dann gingen wir zu den grossen Containern. Wir öffneten den ersten Deckel, liessen den Ton klingeln. Nichts. Beim zweiten Deckel nichts. Beim dritten Container sagte Eik: „Ich höre es!“.

Wir holten die Müllsäcke aus dem Container und ja, wir wühlten tatsächlich im Müll 😉 Aber hey, wenn da dein Handy drinliegt, würdest du das nicht auch machen!?
Es dauerte einen Moment, da der Container ziemlich voll war und das Handy zuunterst auf dem Boden lag. Eik legte sich über die Kante und sein ganzer Oberkörper verschwand im Container und man sah nur noch die Beine rausgucken. Ja, das wäre ein herrliches Foto gewesen, aber wir hatten gerade einen anderen Fokus 😅

Glücklicherweise konnte er das Handy greifen und rausholen. Es sah etwas ekelhaft aus (Eik und das Handy 😅), aber das war das kleinste Problem.
Auf eigene Faust haben wir es tatsächlich gefunden und es war unbeschädigt!

Wir konnten es nicht fassen, was wir gerade für einen „Krimi“ durchlebt haben und dies mit einem solchen unerwarteten Happy End. Irgendwie haben wir einfach funktioniert, uns auf unsere Intuition verlassen und die Polizeiarbeit übernommen 😉

Das Schutzglas und die SIM Karte hat der Dieb entfernt und beides haben wir nicht wieder gefunden. Vermutlich dachte er, dass wir das Handy durch die SIM-Karte orten können, was jedoch nicht so war. Weshalb er das Schutzglas entfernt hat, ist uns ein Rätsel.

Interessant war, dass die Spanier, wo wir geklingelt hatten, nicht gewillt waren, für uns die Polizei anzurufen. Auf Reisen haben wir die Leute bisher immer als sehr hilfsbereit erlebt, aber hier war es anders. Wir haben inzwischen auch einen Verdacht, wer es war 😉

Wertvoller Tipp bei einem iPhone Diebstahl
Wir haben Eik’s iPhone im „Wo ist“-App als „Verloren“ markiert. Glücklicherweise haben wir uns gegenseitig die Geräte freigeschaltet, so dass wir das auf meinem Handy machen konnten (wäre auch über Mac und iPad möglich).
Mit dem Status „Verloren“ erscheint auf seinem Handy-Display eine Nachricht und meine Nummer, die wir hinterlegt haben. Der Dieb kann mit dem Handy nichts mehr tun, ausser es abzuschalten oder mich anzurufen. Warum er nicht auf die Idee kam, es dauerhaft abzuschalten, ist uns ebenfalls ein Rätsel. Hätte er es abgeschaltet, bevor er es in den Container geworfen hat, hätten wir es nie gefunden.
Auch wenn man das Handy mal verlieren sollte, ist diese Funktion auf jeden Fall super, denn so könnte ein ehrlicher Finder anrufen.
Was ebenfalls wichtig ist für die Polizei: die Seriennummer des Handys (hatten wir nicht abgespeichert)

Kurioser Nachtrag
Am nächsten Morgen haben wir festgestellt, dass der Dieb sogar Fotos und Videos gemacht hat. Er konnte dies jedoch nicht löschen, da er das Handy nicht entsperren konnte. Auf einem Foto sind seine Zehen und seine Badeschuhe zu sehen. Auf anderen Aufnahmen die Bodenplatten und Fliesen im Badezimmer und der Wohnung. Mit diesem Material und der Videoüberwachung der Spa wäre es meiner Meinung nach möglich, den Täter zu überführen. Und ja, es kitzelt mich in den Fingern, aber wir lassen das jetzt sein. Wir sind happy, das Handy wieder gefunden zu haben und somit blieb uns viel Ärger und Aufwand erspart.

Wer weiss…
Es wäre noch spannend zu wissen, ob wir mit unserem Klingeln an der Haustüre, mit unseren etlichen Anrufen sowie Ton Abspielen auf dem Handy und der Drohung mit der Polizei etwas Panik ausgelöst haben. Man wirft sonst ja nicht ein recht neues einwandfreies iPhone einfach in den Müll und entfernt die SIM Karte und das Schutzglas. Es war definitiv ein Amateur, was uns in die Karten gespielt hat und wir sind begeistert, wie uns das „Wo ist“ -App von Apple dabei unterstützt hat.

Meine ehemaligen Arbeitsgspänli haben bei dem Abschiedsgeschenk vermutlich nicht damit gerechnet, dass sie uns auch gleich einen Krimi dazu schenken 😅

Nachtrag 20. Mai 2026
Die Polizei hat uns am 19. Mai 2026 abends eine Mail geschrieben und wollte noch weitere Angaben von uns. Wir haben ihnen nun das ganze Foto-/Videomaterial gesendet und die Chancen stehen ziemlich gut, dass sie den Dieb fassen. Beim Container steht sogar eine Überwachungskamera, wo sie die Entsorgung vermutlich auf Band haben. Dies gekoppelt mit der Videoüberwachung in der Spa. Wer weiss…

Wir sind gespannt und halten euch auf dem Laufenden… 😄