Am Samstag, 19. Januar 2019 hob unser Flieger mit einer Stunde Verspätung in Chiang Mai ab. Nächster Stop: Rangun (Yangon) in Myanmar. Der Flug dauerte gerade mal eine Stunde und wir waren einmal mehr gespannt, was uns in diesem neuen Reiseland erwartet. Für die Einreise muss man im Vorfeld ein Visum beantragen. Dies kann man online erledigen und kostet USD 50.-/Person.

Wir entschieden uns vom Flughafen mit dem Bus in die Innenstadt zu fahren, wo wir ein Hostel für die kommenden drei Nächte gebucht hatten. Es ist um einiges günstiger mit 500 kyat/P. (CHF 0.33) als mit einem Taxi (12’000 kyat / CHF 7.80). Das Taxi ist natürlich auch sehr günstig, denn man fährt schon eine Stunde bis ins Zentrum.
Was uns sehr schnell aufgefallen ist, wie nett und hilfsbereit die Leute sind. Ein Taxifahrer hat uns ohne grosse Diskussion gezeigt, wo der Bus fährt. In anderen Ländern hätte dieser lange versucht, uns für ein Taxi zu begeistern.


Ein Touristenmagnet in Yangon ist die Shwedagon Pagode. Vermutlich ist sie die meist fotografierteste Pagode, wo wohl auch jeder Tourist hingeht. Bevor man den heiligen Boden betreten darf, muss man die Schuhe und Socken ausziehen. Am besten nicht nachdenken, was alles auf dem Boden klebt 😉 Mittel Rolltreppe fährt man hoch bis man bei den unzähligen wunderschönen kleine „Türmchen“ ankommt. Im Sonnenlicht glänzt das Gold und die Einheimischen (Männer und Frauen) tragen wunderschöne lange Röcke (Longyi). Ihre Mode ist viel farbenfroher als in unserer westlichen Welt. Es ist Pflicht, lange Hosen oder einen langen Rock sowie schulterbedeckte Bekleidung zu tragen. Mehrmals wurde ich gefragt, ob sie mit mir ein Foto machen dürfen. Ich vergass, wie sich das anfühlt, denn bereits in anderen asiatischen Ländern, musste ich oft vor die Linse. Ein Besuch der Pagode lohnt sich auf jeden Fall.


Obwohl Myanmar buddhistisch ist, stiessen wir auf eine grosse Kathedrale. Die Saint Mary’s Cathedral, welche drinnen einen einzigartigen Baustil hat.

Den Sonnenuntergang genossen wir am Kandawgyi Lake, wo man zum einen die Shwedagon Pagode und zum anderen die Karaweik betrachten kann. Beides erscheint im wunderbaren Licht der hinuntergehende Sonne.

Unser Lieblingsrestaurant in Yangon war das Asia House. Nebst mega leckerem Curry gab es auch vieles anderes zum Schlemmen. Streetfood ist dort auch sehr verbreitet und dies probieren wir auch immer mal wieder. Häufig gesehen haben wir eine Suppe mit Hühnerfüssen oder auch anderen undefinierbaren Tierteile (vermutlich Innereien), was aber definitiv nie auf meinen Teller kommen würde.

Yangon ist vom Baustil her sehr gegensätzlich. Zum einen sieht man super schöne und antike Gebäude oder auch prachtvolle Pagoden und zum anderen zerfallen die Häuser fast. Von der Rooftopbar unseres Hostels habe ich ein Foto gepostet und es haben mich mehrere gefragt, ob das die Slums sind. Nein, dort haben wir „gewohnt“. Die Stadt hat ein gut ausgebautes Busnetz. Wir fanden uns recht schnell zurecht mit dem System und günstig war es ebenfalls. Motorroller waren erstaunlicherweise nicht sehr verbreitet, was uns erstaunte, denn Asien ist doch ein Rollermekka.


Die Leute schauten uns teilweise an, als wären wir Ausserirdische 😉 Man sieht nicht ganz so viele Touristen und wenn, dann sind sie meist in Reisegruppen. Generell waren die Leute aber immer mega nett und hilfsbereit. Fast alle schenkten uns ein Lächeln.

Nach drei Nächten verliessen wir die alte Hauptstadt und fuhren mit dem Nachtbus nach Nyaung Shwe (Inle Lake). Die Fahrt dauerte 12h und mit dem VIP 2+1 Bus war es auch noch recht komfortabel. Für die Strecke zahlten wir 27’000 kyat/P. (CHF 17.50) mit dem Busunternehmen Mandalay Minn Express.
Für die Region des Inle Lakes zahlt man Eintritt in der Höhe von 15’000 kyat/P. (CHF 9.80) für fünf Tage. Hier waren sie nun wieder, die Roller! Wir hatten sie schon fast etwas vermisst 😉

In unserer Unterkunft konnten wir günstig Fahrräder ausleihen, weshalb wir die Gelegenheit nutzten, um die Umgebung zu erkunden. Natürlich darf man nicht erwarten, dass alle Strassen und Wege asphaltiert sind, weshalb es meist holprig zum Fahren ist. Wir stiessen auf ein Restaurant mit schöner Aussicht auf den Inle Lake, wo wir ein Abendessen beim Sonnenuntergang genossen. Sie hatten ebenfalls ein Winetasting im Angebot. Myanmar baut Wein an? Noch nie gehört oder probiert, aber wir liessen es uns nicht entgehen und waren positiv überrascht von der guten Qualität und des Geschmacks. Leider wissen wir nicht mehr, wie der Winzer heisst, ansonsten hätten wir es an dieser Stelle gerne erwähnt. Inzwischen war es dunkel und somit Zeit, den Rückweg zur Unterkunft anzutreten. Ohne Licht am Fahrrad, ohne Strassenbeleuchtung und auf schlechten Strassen mit genügend Wein intus, schafften wir es dennoch heil zurück.

Für den nächsten Morgen hatten wir zusammen mit einem belgischen Pärchen aus der selben Unterkunft eine Bootstour auf dem Inle Lake gebucht. Definitiv ein must do, wenn man dort ist. Wir entschieden uns, vor dem Sonnenaufgang zu starten, damit wir diesen auf dem Boot geniessen konnten. Das hiess früh aufstehen, denn der Bootsfahrer holte uns um 5.15 Uhr ab. Ohne Sonne war es noch richtig kalt und mit dem Fahrtwind auf dem Boot nicht gerade so kuschlig. Glücklicherweise erhielten wir Wolldecken, wo wir uns noch etwas einmummeln konnten. Am Horizont setzte die Rotfärbung ein und vor uns tauchten zwei „Fischer“ mit ihren Booten auf. Wer schon mal Fotos vom Inle Lake gesehen hat, weiss nun welche wir meinen, denn die Fotos wurden schon x-fach geknipst. Man muss sich das so vorstellen, wie wenn man in einer kleinen Zirkusvorführung wäre. Die beiden „Fischer“ zeigten uns ein paar Variationen, was sie mit ihrem Fischernetz machen können und kamen nach ein paar Minuten zu uns rüber, um nach Trinkgeld zu fragen. Ja, wir fanden das sehr speziell und inszeniert. Wir sahen auch den ganzen Tag keinen einzigen Fischer mit diesen speziellen Fischernetzen. Sie fischten normal mit den gängigen Fischernetzen und ohne Akrobatik. Selbstverständlich haben wir nun auch solche berühmten „Fischerfotos“ ;) Wir tuckerten den ganzen Tag auf dem See und den Flüssen herum, besichtigen eine Zigarrenfabrik, eine Weberei, wo sie noch altertümlich auf Webstühlen mit Webschiffchen weben, einen Silberschmid, wo man bei der Schmuckherstellung zuschauen kann und einen Market, wo Gemüse, Früchte, Souvenirs etc. verkauft werden. Des Weiteren besichtigten wir die berühmte Shwe Indein Pagoda. Bis zum Sonnenuntergang waren wir unterwegs und haben für den ganzen Tag 20’000 kyat (CHF 13.-) für das Boot bezahlt. Da wir zu viert waren, konnten wir uns die Kosten teilen.

Den letzten Tag in Nyaung Shwe verbrachten wir wieder auf dem Fahrrad. Wenn man Zeit hat, lohnt es sich, die Gegend zu erkunden und zum Weingut mit ebenfalls schöner Sicht über den Inle Lake zu fahren. Auch dort machten wir ein Winetasting, müssen aber sagen, dass der Wein im anderen Café/Restaurant besser schmeckte.


Von Nyaung Shwe fuhren wir weiter nach Bagan. Die Fahrt dauert 8h und wir entschieden uns, die Strecke tagsüber zu fahren, um etwas von der Umgebung zu sehen. Einmal mehr wurden wir von der Abfallproblematik erschüttert. Man hatte das Gefühl, dass überall Müll rumliegt. Meistens sieht man Plastik vor allem Säcke, die es durch den Wind fortträgt. Viel sieht man auch, wie sie den Abfall am Strassenrand oder sonst wo verbrennen. Ein wirklich tragisches Bild, welchem wir auf unserer Weltreise leider schon x-fach begegnet sind 🙁

Bagan ist die grösste archäologische Stadt in Südostasien, welche durch ihre über 2’000 Pagoden (Sakralgebäude aus Ziegelsteinen) bekannt ist, die „Stadt der Tempel“. Es ist ein sehr weitläufiges Gelände und ein grosser Vorteil, wenn man sich als Tourist einen e-Roller ausleihen kann. Je nach Anmietort (gibt unzählige), zahlten wir zwischen 7’000 und 8’000 kyat/Tag (ca. CHF 5.-). Des Weiteren verlangen sie an manchen Orten eine Eintrittsgebühr. Wir haben nicht durchschaut, wo man diese überall zahlen muss, aber man bekommt sowieso nur einen 5-Tagespass, welcher 25’000 kyat/P. (CHF 16.-) kostet. Die Sonnenauf- und -untergänge sind etwas ganz besonderes. Man sollte definitiv beides mindestens einmal machen. Zum Sonnenaufgang steigen rund 20 Heissluftballone hoch und fahren über die Pagoden. Ja, Ballone fahren und fliegen nicht. Habe ich bei einer Ballonfahrt in der Schweiz gelernt. Eine Fahrt in Bagan kostet USD 350.-/P.. Die Kombination von den alten Pagoden und den Ballonen ist total schön. Auf ein paar wenige Pagoden kann man hoch. Es sind inzwischen allerdings nur noch ein paar kleine freigegeben, aber dennoch lohnt sich ein Blick von oben zum Sonnenuntergang. Jüngere Einheimische versuchen einem zu diesen Punkten zu locken und hoffen auf ein Trinkgeld.


Einen Tagesausflug unternahmen wir zum Mount Popa. Wir fuhren mit einem Minibus und drei anderen etwa eine Stunde. Die Fahrt war alles andere als entspannt, denn unser junger Fahrer hatte es ziemlich eilig und bretterte über die Bodenwellen wie ein Irrer. Auf dem Vulkankegel Popa Taung Kalat prangt die Tuyin Taung-Pagode auf dem Gipfel. Ich nenne diesen Ort inzwischen lieber Affenberg, denn es leben unzählige Affen dort und haben das ganze schon mehr oder weniger eingenommen. Selbst die Verkäufer mit ihren Ständen müssen ständig auf der Hut sein, dass die Affen ihnen das Zeug nicht klauen. Anfangs hatte es noch unterhaltungswert, aber irgendwann fand ich es nicht mehr so lustig. Es waren einfach zu viele und auf der Treppe musste man schauen, dass man nicht in Urin oder Kacke tritt. Wohl bemerkt, wie immer an solchen Orten mussten wir die Schuhe ausziehen. Das war einfach nur ekelhaft. Klar ist die Aussicht von oben schön, aber ich würde nicht nochmal dorthin gehen. Eik wiederum hat es gefallen. Er hatte dann noch ein spezielles Affenerlebnis, da er meinte, die Regenjacke oben verloren zu haben. Im Halbdunkeln erklomm er nochmals die Stufen und suchte danach. Während er oben war und es kein Licht gab, nahmen die Affen die Treppen noch mehr ein als noch im Hellen. Eik hatte kein Licht dabei und musste sich durch die Affen schlingern. Sie zerrten sogar an seinem Hosenbein. Wie geahnt war die Regenjacke natürlich nicht oben irgendwo, sondern Eik hatte sie im Hotelzimmer vergessen.


Wir hatten sechs Nächte im Hotel Bagan Beauty Land gebucht (CHF 25.-/Nacht und Zimmer) und waren froh, dass wir es etwas ruhiger angehen lassen konnten, denn wir waren beide nicht fit. So konnten wir uns nach dem Sonnenaufgang nochmals ins Bett legen und den Tag nicht so vollstopfen. Unser Lieblingsrestaurant war „Bibo“. Es liegt in einer ruhigen Strasse und das Essen war immer mega lecker. Vor allem der Avocadosalat war sehr yummy 🙂

Mit dem Schiff ging unsere Tour auf dem Irrawaddy River weiter nach Mandalay. Vereinbarte Abholzeit war um 4.45 Uhr und den Wecker stellten wir auf 4.25 Uhr. Um 4.18 Uhr klingelte unser Telefon im Zimmer. Der Tuktuk-Fahrer sei hier. Eine halbe Stunde zu früh… Im Halbschlaf packten wir unsere Sachen und begaben uns zum Tuktuk. Check-in Zeit beim Schiff war um 5.00 Uhr, wo wir im Dunkeln über ein fussbreites Brett boarden mussten. Einmal mehr waren wir froh, nur einen leichten Rucksack als Gepäck dabei zu haben. Keine Ahnung, wie wir es mit einem Koffer über diesen schmalen Steg geschafft hätten. Um halb sechs tuckerte das Schiff los und wir konnten den Sonnenaufgang geniessen. Die Fahrt nach Mandalay dauerte über 12 Stunden, doch die Zeit verging recht schnell. Eine gemütliche Reiseart, wo man immer mal wieder etwas zum Anschauen hat. Rein landschaftlich ist es allerdings nicht allzu abwechslungsreich. Die Fahrt kostete uns CHF 32.-/Person (inkl. Tee, Kaffee, Wasser und Lunch).


Mandalay war ganz anders als die bisherigen Orte, die wir in Myanmar besucht hatten. Es war laut und die ständige Huperei hatten wir nicht vermisst. Der erste Eindruck: schlimmste Stadt bis anhin. Man darf natürlich nicht vergessen, dass es eine Grossstadt ist.


Am nächsten Tag erkundeten wir die Stadt zuerst zu Fuss und irgendwann stiegen wir auf ein Taxi um. Die Stadt ist sehr weitläufig und wenn man etwas davon sehen möchte, hilft ein Transportmittel immens. Da sie keine öffentlichen Verkehrsmittel wie Busse haben, bleibt einem ein Taxi oder Tukuk. Natürlich könnte man auch einen Roller mieten. Wir besichtigten den Mandalay Palast und fuhren anschliessend auf den Mandalay Hill für den Sonnenuntergang. Ein sehr beliebter Ort für den Tagesausklang, wo wohl fast alle Touristen mal hingehen. Unser Taxifahrer fragte uns, was wir am kommenden Tag machen werden. Sie versuchen so, einem eine Rundfahrt zu verkaufen. Da wir mit seinem Fahrstil sehr zufrieden waren (nicht selbstverständlich), buchten wir ihn für den ganzen Tag, damit er uns die Highlights zeigen kann. Wir bezahlten gerade Mal 35’000 kyat (CHF 23.-) und hatten unseren eigenen Fahrer. Ja, wir spulten die Tourispots ab, dazu gehörte unter anderem eine Kutschenfahrt auf der Insel Innwa sowie den Sonnenuntergang bei der berühmten U-Bein Bridge. Ein wunderschönes Motiv für den Sonnenuntergang und auf den wenigsten Fotos sind die grossen Touristenmassen zu sehen. Auf dem Fluss reiht sich ein Boot ans andere und alle wollen diese eine Brücke im schönen Licht fotografieren. Und ja, es sieht wirklich mega schön aus und wir fanden ein einfaches Restaurant neben der Brücke direkt am Fluss, wo wir den perfekten Blick hatten. Es hat uns jemand erzählt, dass während der Regenzeit das Wasser bis zur Brücke hoch reicht. Somit würde das Restaurant unter Wasser stehen, weshalb sie nur sehr einfach ausgestattet sind.


Es war Zeit, die Grossstadt hinter uns zu lassen und wieder mehr in die Natur zu gehen. Unser Hotel lag gegenüber des Bahnhofs, was ideal war, denn unser Zug nach Hsipaw fuhr um 4.00 Uhr los. Man kann entweder ein Ticket für die Standard Class oder die Upper Class kaufen. Da die Upper Class nicht viel teurer waren und wir uns das bisschen Luxus gönnen wollten, kauften wir die Tickets für 3‘950 kyat (CHF 2.60) inklusive Lebensversicherung 😉 Die Fahrt nach Hsipaw dauert elf Stunden und man überquert das bekannte Gokteik Viadukt, welches 1900 fertiggestellt wurde. Das Viadukt ist 109m hoch und ja, es war irgendwie ein komisches Gefühl als wir drüber fuhren. Vor der Überquerung hält der Zug und dann fährt er langsam über das Viadukt. Man sollte versuchen einen Platz auf der linken Seite zu ergattern, denn von dort aus hat man die schönere Sicht. Ansonsten ist es auch nicht schlimm, denn man kann sich im Zug ja frei bewegen. Es ist eine total gemütliche Zugfahrt, wo man hin und her geschaukelt wird. Man sieht so auch etwas von der Landschaft, was sehr schön ist. Zudem freuen sich die Kinder, wenn der Zug vorbeifährt und sie den Leuten zuwinken können.


In Hsipaw hatten wir ein Zimmer für zwei Nächte reserviert. Man kann den kleinen Ort gut per Fahrrad erkunden und sich Little Bagan oder den Shan Palace anschauen. Der Palace war leider zu dem Zeitpunkt geschlossen. Es gibt einen Film, welcher auf wahren Begebenheiten beruht: „Twilight over Burma“ Eine Österreicherin hat in Amerika während des Studiums einen Burmesen kennengelernt. Sie haben sicher verliebt und geheiratet. Kurze Zeit später sind sie zusammen nach Myanmar gereist. Sie wurden von vielen Leuten feierlich begrüsst und da erfuhr die Österreicherin, dass ihr Mann der Prinz von Hsipaw des Shan Staates ist. Die beiden lebten in Hsipaw in diesem Shan Palace und hatten zwei Töchter. Sie wollten unter anderem das Land modernisieren, die Korruption und Kindersterblichkeit bekämpfen, was nicht bei allen gut ankam. Eines Tages wurde ihr Mann entführt und ziemlich sicher ermordet. Bis heute hat man ihn nicht gefunden. Die Österreicherin floh daraufhin mit ihren beiden Töchtern. Inzwischen ist sie wieder verheiratet und lebt in Amerika. Sie heisst Inge Sargent und ist 87 Jahre alt.
Wir beschlossen uns eine 2-Tageswanderung mit einer Übernachtung in einem kleinen Dorf zu unternehmen. Man darf nicht auf eigene Faust wandern, weshalb wir dies mit einem Guide getan haben. Zwei Franzosen waren ebenfalls mit von der Partie. An beiden Tagen wanderten wir etwa 15km, wobei es am ersten Tag fast nur bergaufwärts und am zweiten bergabwärts ging. Durch den Guide erfuhren wir einiges über Myanmar, was sehr interessant war. Die Landschaft erinnerte uns an die Schweizer Alpen, einfach mit etwas mehr Wildwuchs an Pflanzen. Das Dorf, in dem wir übernachteten hiess Topankam Village, welches aus 70 Häusern und 600 Einwohnern besteht. Strom wird aus Solarzellen erzeugt und gekocht wird über dem Feuer. Ein Stehklo und eine Dusche, wo man sich den Eimer über den Kopf kippt, ist der ganze Luxus, den sie dort haben. Wir teilten unser Zimmer mit der 4-köpfigen Familie, welche uns beherbergte. Das Essen war mega lecker und für uns war es ungewohnt, bereits am Morgen Reis zu essen. Reis ist der Hauptbestandteil jeder Mahlzeit und das meist dreimal täglich. Am späteren Nachmittag drehten wir eine Runde durch das Dorf und wurden von allen total freundlich willkommen geheissen. Unser Guide brachte uns die Worte „Hallo“ und „Danke“ in deren Sprache bei. Sie haben dort eine eigene Sprache oder zumindest Dialekt. Den Abend verbrachten wir draussen am Feuer und wir sahen das erste Mal, wie ein Feuer aus Bambus entfacht wurde. Es war eine kühle und sternenklare Nacht. Nach dem Frühstück brachen wir auf und besuchten die Dorfschule. Wir waren am Vorabend schon kurz dort, aber zu dem Zeitpunkt waren nur ein paar wenige Kinder noch in der Schule. Nun war das Klassenzimmer voll und es war laut. Die Lehrerinnen freuten sich, dass wir nochmals vorbeischauen und sie sagten den Kindern: „Jetzt könnt ihr mit den Touristen spielen.“ Was das auch immer heissen mag… Schreiend und lachend rannten sie raus und stürzten auf uns zu. Zuerst wollten sie, dass wir sie hochheben und anschliessend nahmen sie uns an die Hand in die Mitte ihres Pausenplatzes. Sie machten einen grossen Kreis und wir waren ebenfalls ein Teil davon. Sie sangen und waren so ausgelassen, was mir ein nichtendendes Lächeln ins G5esicht zauberte. Wir wurden in ihre Singspiele integriert und jeder von uns wurde aufgefordert mitzumachen, nachdem sie uns vorzeigten, was zu tun ist. Zum Beispiel musste einer von uns in die Mitte des Kreises und etwas vormachen oder tanzen. Die Kinder machten es nach und sangen dazu. Wir verabschiedeten uns und machten uns auf den Retourweg. Unser Guide lernte in einem Kloster in Hsipaw English und arbeitet dort nun als Volunteer. Er fragte uns, ob wir uns das Kloster anschauen wollen und wir bejahten dies. Sie fragten uns, ob wir kurz in eine Englischklasse kommen würden und den Studierenden etwas über uns zu erzählen. Ohne Vorbereitung standen wir nun vor einer Klasse mit rund 100 Studenten, die englisch lernen wollen. Alle Augen waren auf uns gerichtet, was etwas ungewohnt war. Nachdem wir erzählten, woher wir kommen, wie wir heissen etc. stellten sie uns ein paar Fragen. Sie fragten uns, wie sich unsere Heimatländer von Myanmar unterscheidet und da nutzten wir die Chance und machten sie auf die Abfallproblematik in Myanmar aufmerksam. Die Englischlehrerin übersetzte jeweils, weil es Anfängerschüler waren und sie doppelte nach, denn ihre Worte waren um einiges ausführlicher als unsere. Es war für uns eine super Erfahrung und hätten wir mehr Zeit gehabt in Hsipaw, wären wir als Volunteerlehrer gerne für ein paar Tage zur Verfügung gestanden. Englischlehrer sind immer gesucht und es ist super, wenn sie den Wunsch haben, die Sprache zu lernen.
Bevor wir Hsipaw verliessen, ging Eik zum Coiffeur, was gerade mal 1’500 kyat (CHF 1.-) für einen Haarschnitt kostete.

Wir entschieden uns, wieder mit dem Zug nach Mandalay zu fahren. Es gäbe auch die Variante mit dem Bus, aber wir fanden die Strecke wirklich schön und nochmal über das Viadukt zu fahren, war auch nicht so schlecht. Am Bahnhof in Hsipaw erfuhren wir, dass der Wagen der Upper Class nur bis Pyin U Lwin fährt und wir anschliessend in die Standard Class wechseln müssten. Immerhin waren es von Pyin U Lwin nach Mandalay nur noch etwa 4,5 Stunden, weshalb wir dem zustimmten. In Pyin U Lwin wollten wir den Wagen wechseln, als uns eine Amerikaner fragte, ob wir mit ihr ein Taxi nach Mandalay teilen würden. Da dies eine Zeitersparnis von rund 3 Stunden mit sich zog, entschieden wir uns fürs Taxi. Wir hätten von der Umgebung aus dem Zug sowieso nicht mehr so viel mitgekriegt, da die Sonne schon bald unterging.


Unsere Zeit in Myanmar war nach drei wunderschönen Wochen leider vorbei. Das Land hat uns sehr positiv überrascht und wir hätten es definitiv länger ausgehalten. Die Leute sind unglaublich nett und auch wenn einige nicht so gut Englisch sprechen können, halfen sie uns gerne weiter. Gibt man irgendwo aus Versehen zu viel Geld, geben sie es einem zurück. Nicht einmal haben wir eine negative Erfahrung gemacht und für uns sind es die nettesten Asiaten. Auch die Hunde sind viel entspannter als in anderen asiatischen Ländern. Während man z. B. in Vietnam oder Kambodscha angebellt und auf dem Fahrrad von einem Hund verfolgt wird, sitzen sie hier ganz friedlich und schauen einem an. Was uns in Myanmar als erstes auffiel, waren die „bemalten“ Gesichter. Viele hatten auf der Wange eine beigefarbene Substanz. Es heisst Thanaka und wird als Sonnenschutz und Hautpflege genutzt. Die Thanakapaste wird aus der Baumrinde gewonnen. Auffällig war ebenfalls, dass die Autos ihr Lenkrad häufig auf der rechten Seite hatten, obwohl sie dort Rechtsverkehr haben. Vermutlich sind es importierte Autos aus anderen asiatischen Ländern mit Linksverkehr. Lässt man aus einem ATM Geld bekommt man einen grossen Stapel. Die grösste Note ist die 10’000er, was gerade mal CHF 6.45 entspricht. Da wir in der Regel 300’000 kyat (ATM-Gebühr von 6’500 kyat pro Bezug) abgehoben haben und meistens 5’000er Noten ausgegeben wurden, kann man sich den Geldstapel vorstellen 😉

Wir haben uns immer gefragt, was die Männer kauen und ausspuken. Wohl bemerkt, die Spuke sieht ekelig rötlich aus und man sieht überall Flecken auf dem Boden. Dr. Google klärte uns auf: sie kauen Betelnüsse, welche mit Gewürzen sowie Kardamonsamen und häufig mit Tabak durchmischt werden. Dies wird in Blätter gewickelt, welche sie in den Mund packen. Die Speichelproduktion wird damit angeregt und die Zähne sehen dementsprechend aus. Sie sind rötlich gefärbt und teils sieht man nur noch Stummelzähne. Es soll scheinbar sehr krebserregend sein (Mundhöhlenkrebs), aber wir hatten den Eindruck, dass sie dies ausblenden, denn wir haben wirklich unzählige Männer gesehen, die permanent am Rumkauen und -spuken waren. Frauen haben wir nie gesehen, aber es soll wohl auch welche geben, die das konsumieren. Eik probierte es in Mandalay am letzten Abend, aber er kam nicht auf den Geschmack. Im Gegenteil…

Myanmar ist definitiv eine Reise wert und wir können uns vorstellen, irgendwann wieder dorthin zurück zu kehren.

Am 9. Februar 2019 hiess es goodbye und wir flogen von Mandalay nach Krabi (Thailand) weiter. Es war an der Zeit wieder Mal feinen Sand und Salzwasser unter den Füssen zu spüren.

Highlights: die wohl freundlichsten Menschen in Asien, leckeres Essen, Inle Lake, Bagan, Hsipaw und Umgebung

Lowlights: Abfallproblematik

  1. Vielen Dank für den tollen Bericht, der schöne Erinnerungen an den inoffiziellen „COMIT Ausflug“vor genau 10 Jahren weckt. Einiges hat sich geändert, vieles ist offenbar noch so schön wie damals. Aber Abfälle sind mir damals nicht aufgefallen, auch am Strand nicht. Mopeds waren in der Stadt Yangon verboten, ATMs gab’s nicht – die wären wohl immer leer oder verstopft gewesen, denn die grösste Note war nur 1000 Kyat, damals etwa 1 Franken. Roaming gab’s nicht, Internet nur in einigen Hotels – somit waren wir wirklich etwas „ab der Welt“.

    Die Freundlichkeit der Leute scheint aber immer noch diesselbe zu sein. Richtig touristisch waren nur der Inle Lake und die U Bein Bridge – sonst waren es wohl wesentlich weniger als heute.

    Weiterhin tolle Reisen – ich freue mich auf die Berichte!
    Liebe Grüsse
    Martin

    1. Hallo Martin
      Vielen Dank fürs Lesen und kommentieren 🙂 Ich denke, so wie du es beschreibst, ist es sehr zutreffend. Inzwischen ist es einfach an ATM’s Geld rauszulassen. Es ist natürlich auch für die Leute schön, wenn sich etwas zum Positiven verändert, was ihnen das Leben vereinfacht. Ich denke, wir werden Myanmar irgendwann wieder mal bereisen.
      Liebe Grüsse
      Moni

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