Am Donnerstag, 28. September 2017 überquerten wir einmal mehr die Grenze nach Amerika. Dieses Mal allerdings in einem kleineren Örtchen in Ostkanada (Nähe Edmundston). Der Grenzbeamte machte einen viel entspannteren Eindruck, was uns Hoffnung gab, wieder reingelassen zu werden. Er hatte ein grösseres Augenmerk aufs Auto gelegt als auf uns. Im System suchte er nach unserer Autonummer. Vermutlich, um zu schauen, ob wir es gestohlen hatten, was natürlich nicht der Fall ist. So ging die Reise weiter in Amerika und wir waren bereit für die Ostküste.

Besonders freuten wir uns auf den Indian Summer, welcher an der Ostküste sehr farbenfroh sein soll. Bereits in Maine waren die bunten Verfärbungen deutlich zu sehen. Es gibt in Nordamerika 800 Baumarten und in Europa gerade mal 51!

Der Acadia Nationalpark ist bezüglich Indian Summer besonders schön. Dies wollten wir uns nicht entgehen lassen. Auf dem Weg zum Nationalpark kommt man unweigerlich im Städtchen Bar Harbor vorbei. Das ist ein nettes Örtchen, welches allerdings ziemlich mit Touristen überlaufen war. Ein kurzer Halt sollte dennoch gemacht werden, um dies zu Fuss zu erkunden.
Der Nationalpark ist von Wasser umgeben ist. Vieles liegt direkt an der Küste und wenn es nicht an der Küste liegt, hat es einen See. Es gibt diverse Möglichkeiten einen Stop einzulegen, um die Füsse zu vertreten. Um die Seen gibt es sehr schöne Spazierwege. Den schönsten Blick erhascht man vom Cadillac Mountain. Bei gutem Wetter hat man eine fantastische Weitsicht. Einmal mehr hatten wir einen wundervollen Tag mit blauem Himmel und Sonnenschein. Lediglich der Wind wehte uns eiskalt um die Ohren. Schaut man sich die Bilder an, könnte man dies definitiv nicht meinen.

Da uns Eik’s Sohn, Johannes, während seinen Herbstferien in New York besuchte, war es klar, dass wir am 2. Oktober 2017 am späteren Nachmittag am Flughafen JFK sein mussten. Einen Tag zuvor wollten wir zu einem Walmart fahren, um dort zu übernachten. Von dort wäre es noch eine Stunde bis nach New York gewesen, wo wir ein Airbnb reserviert hatten. Ideal also, um pünktlich am Flughafen anzukommen. Wenn da nicht noch etwas dazwischen gekommen wäre…

Wir fuhren auf dem Highway als es plötzlich lauter wurde. Ich schaute in den Rückspiegel und das Auto überholte uns. Es blieb laut. Ich guckte neben mich, das Auto fuhr an uns vorbei und es blieb laut. Ok, dann waren wir das wohl, die laut geworden sind bzw. „Rusty“. Zum Glück kam unweit von  uns eine Ausfahrt, welche wir nehmen konnten und parkierten an einer Tankstelle. Eik meinte am Morgen noch, dass er das Gefühl habe, dass das Auspuffendrohr etwas mehr wackelte als sonst. Ich dementierte dies und musste nun zugeben, Eik’s Gefühl war richtig. Als wir unters Auto schauten, war ein Teil des Rohres auseinandergebrochen.
Meistens, wenn wir eine Autopanne haben, ist es Sonntag. So auch dieses Mal und es war bereits 17.00 Uhr 🙁 Wir fanden noch eine Garage, die offen hatte bzw. vor 15 Minuten schloss, der Mechaniker sich das netterweise noch kurz anschaute. Er meinte, dass wir am nächsten Morgen um 8.00 Uhr wieder kommen könnten, er aber nicht wisse, ob er die Ersatzteile so schnell beschaffen könne. Immerhin mussten wir zwingend am nächsten Tag am späteren Nachmittag am Flughafen sein. Ein echt schlechtes Timeing… Alle anderen Werkstätte hatten zu. Was nun? Grübel, grübel und studier… Ganz in der Nähe hatte es einen Autoersatzteilgeschäft. Eik meinte, dass wir es ja selber provisorisch reparieren könnten. So versuchten wir unser Glück und fanden eine Lösung, um das Ganze wieder zusammenzuschrauben und vorübergehend festzumachen. Ja, der Name „Rusty“ kommt nicht von ungefähr, denn der Unterboden ist ziemlich rostig. Es ist eine Aufhängung des Auspuffrohres gebrochen, weshalb der Druck aufs Rohr zu gross war und deshalb ist dieses durchgebrochen. Trotz unseres Unwissens über Autos, konnten wir es selbst soweit reparieren und wir waren ziemlich stolz. Dies hatte uns gerade mal USD 25.- gekostet. Wären wir zu einem Mechaniker, hätten wir bestimmt sehr viel mehr bezahlt. Des Weiteren hätten wir es vermutlich nicht rechtzeitig nach New York geschafft. Natürlich wäre es professioneller gemacht worden, aber wir hoffen, dass es nun eine Weile hält.
Glücklicherweise konnten wir  Johannes am nächsten Tag rechtzeitig vom Flughafen abholen :). Er ist ganz alleine von Prag nach New York geflogen. Eik hatte eine Flugbegleitung dazu gebucht und so wurde er immer betreut und wir konnten ihn am JFK in Empfang nehmen.

Wir waren beide schon mal in New York und jeder, der schon mal hier war, weiss wie gross die Stadt ist. Gebucht hatten wir 5 Nächte in dem Airbnb in Flushing. Natürlich hätten wir gerne in Manhattan gewohnt, nur sind die Preise dort immens für 3 Personen. Von Flushing nach Manhattan braucht man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln etwa eine Stunde.

Am ersten Tage waren wir am Ground Zero, wo nun auch das One World Trade Center steht. Ein sehr schönes Hochhaus direkt neben den beiden 9/11 Memorials, wo die alten Türme standen. Im Jahr 2000 stand ich noch auf einem der beiden Twin Towers und jedes Mal, wenn ich nun an diesen Ort gehe, habe ich Hühnerhaut. Man kann darüber denken, was man will, aber für mich ist es immer noch ein unfassbares Ereignis mit vielen, viel zu vielen Toten. Aus den Trümmern der Türme haben sie eine riesige Metrostation mit diversen eher Luxusläden gebaut. Wie wir finden, ein sehr gelungenes, beeindruckendes Bauwerk von innen und aussen.

Mit der Staten Island Ferry kann man gratis fahren und sich die Freiheitsstatue und die Skyline vom Wasser aus anschauen. Da wir bestes Wetter hatten, entschieden wir uns für diese kurze Schifffahrt  (ca. 30 Minuten pro Weg). Es gibt einem nochmal eine ganz andere Perspektive über diese riesige Metropole.
Am späteren Nachmittag gingen wir aufs Rockefeller Center (Top of the Rock), wo wir bis zum Sonnenuntergang verweilten. Die Abendröte war an diesem Tag besonders schön. Man kann in New York auf verschiedene Gebäude, wenn man die Stadt von oben sehen möchte (Empire State Building, One World Trade Center etc.). Wir entschieden uns für das Rockefeller, weil wir zum einen noch nie dort oben waren und zum anderen kann man auf drei verschiedenen Etagen rausgehen. Es ist nicht ganz so hoch, wie das Empire State Building, aber nichts desto trotz hat man eine herrliche Sicht über New York und kann vor allem das Empire State Building bestens fotografieren. Leider sieht man von dort das schöne Chrysler Building kaum.

Worauf ich mich in New York speziell freute, war meine liebe Freundin Coco und ihren Freund Romain zu treffen. Nach fast einem Jahr war die Vorfreude riesig und das Wiedersehen umso schöner. Wir verbrachten einen sehr gemütlichen Abend zu viert und genossen es, uns wieder mal live und in Farbe zu sehen. Zudem brachten sie uns Aromat-Nachschub (oTon Eik: das geile Zeug). Herzlichen Dank nochmal 😉

Die Zeit verging schnell und wir realisierten, dass wir problemlos noch länger in New York bleiben könnten. Ursprünglich wollten wir mit Johannes noch ein paar Tage in Boston verbringen. Wir spürten, dass er lieber noch länger in New York bleiben wollte, weshalb wir eine neue Unterkunft für die Verlängerung suchten. Es war aussichtslos für Samstag/Sonntag etwas kurzfristig zu finden, weshalb wir nach Long Island fuhren und dort eine Nacht auf dem Campingplatz verbrachten. Von Flushing fuhren wir etwa 30 Minuten und waren an einem schönen Sandstrand. Am Samstag Abend hatten wir noch gutes Wetter und ab Sonntag Morgen regnete es. Wir waren froh, dass wir ab Sonntag wieder ein Airbnb in Flushing hatten, denn  Johannes nächtigte im Zelt, was ihm nicht sonderlich Spass machte.

Nun hatten wir 5 weitere Tage Zeit in New York und diese genossen wir nochmal so richtig . Leider war das Wetter nicht mehr ganz so gut wie in der ersten Woche. Wir besuchten auch ein paar Museen wie das National Museum of the American Indian (gratis), Interpid Sea & Air Space und American Museum of Natural History.

Einmal zu Fuss über die Brookyln Bridge zu laufen, gehört einfach dazu. Eine sehr schöne Brücke mit genialer Sicht auf die Stadt. Leider ist sie sehr voll, denn Fussgänger und Radfahrer teilen sich den recht schmalen Übergang. Zurück gingen wir zum Sonnenuntergang über die Manhattan Bridge. Da war es um einiges leerer, dafür rattert direkt neben einem die Metro vorbei. Der Vorteil auf der Manhattan Bridge: man hat die Brooklyn Bridge als Motiv, welche sehr fotogen ist.

Shoppen darf in New York nicht fehlen. Allerdings hat man als Weltreisende ein „Budget- und Platzproblem“. Klar kaufen wir uns ab und zu mal was Neues, aber wir gingen vor allem für Johannes Kleider kaufen. Der Century 21 Store war der Volltreffer. Man bekommt dort Markenkleider zu massiv günstigeren Preisen vor allem für Kinder/Jugendliche. So deckten wir Johannes ein, bis seine Reisetasche voll war 😉

In Flushing entdeckte ich per Zufall einen sehr leckeren Foodcourt. Man muss vielleicht noch erwähnen, dass man sich in Flushing mehr in Asien fühlt als im Chinatown in Manhattan. Es ist um einiges authentischer und es leben fast nur Asiaten dort. Man findet kleine Marktläden und fühlt sich nach Asien versetzt. Auch die Gerüche erinnern einem stark daran. So gab es auch in diesem Foodcourt sehr typisches asiatisches Essen. In der letzten Woche waren wir 4x dort. Johannes hatte somit auch gleich einen kleinen Einblick ins asiatische Leben.

Es gibt unzählig viele Sachen, die man in New York besichtigen kann und die Tage verflogen im Nu. Nur schon das Schlendern durch den Central Park braucht Zeit, was sich aber ebenfalls sehr lohnt.
Johannes musste nach 10 Tagen wieder Nachhause, weil seine Schulferien rum waren. Am Freitag Abend brachten wir ihn zum Flughafen und ab da hiess es für uns wieder auf der Strasse bzw. im „Rusty“ zu schlafen. Vorbei war der Luxus mit einem WC und täglicher Dusche. Zugegebenermassen tat uns dieser Unterbruch vom Vanlife gut. Die ewige Fahrerei ist doch ziemlich anstrengend und es war mal schön, ein grosses Zimmer und einen „festen Wohnsitz“ zu haben. Dennoch freuten wir uns auf die Weiterreise mit „Rusty“.

Unsere Route führte uns ein kurzes Stück zurück in den Norden, wo wir nochmal den Indian Summer erhofften. Das Farbenspiel der Blätter hielt sich allerdings in Grenzen und auch die Sonne zeigte sich kaum. So entschieden wir uns, nach Philadelphia weiterzufahren. Man merkt auch hier, dass die Tage kürzer werden, denn der Sonnenuntergang ist bereits um 18.30 Uhr.

Wer kennt Philadelphia nicht? Zumindest den Namen kennt man, wenn auch nur vom Brotaufstrich 😉 Überzeugt hat uns die Stadt in den grössten Teilen nicht. Es gibt ein paar wenige nette Gassen und Gebäude, aber es hält sich im Rahmen. Wir waren noch in der Ausstellung einer Federal Reserve Bank. Nachdem wir von Kopf bis Fuss durchleuchtet wurden, drückten sie uns je USD 100.- in die Hand. Nur leider braucht man dazu Leim und ganz viel Geduld, denn die Note war geschreddert. Wir haben beides und dazu noch sehr viel Zeit…

Lancaster in Pennsylvania ist eine Amish Gemeinde. Es ist nicht mehr ganz so traditionell, wie wir erwartet hatten, aber so ein paar typische Dinge sind uns trotzdem über den Weg gelaufen. Die Amish-Leute haben z. B. kein Auto, das heisst sie benutzen nach wie vor Kutschen. Wir sahen welche, die das Feld geackert hatten und eine überholten wir auf der Strasse. Beim Central Market erhofften wir einen grossen Amish Markt, was aber nicht ganz so der Fall war. Zum einen war der Markt in einer Halle und zum anderen sahen die Verkäufer nicht aus wie Amish-Leute. Wer gerade kein Bild vor sich hat, die Männer tragen z. B. einen Bart, aber keinen Schnauz und immer einen Hut. Die Frauen haben Kleider an und auf dem Kopf ein Häubchen. Es war dennoch gemütlich durch Lancaster zu spazieren.

Am Folgetag planten wir durch die Appalachen zu fahren, doch Harpers Ferry hielt uns davon ab. Wir wollten nur mit der Drohne eine Runde über dem Fluss drehen, als wir in einem National Historical Park  gelandet sind. Die Drohne durften wir nicht benutzen (wie in allen National Parks), aber den Ort zu erkunden hatte sich definitiv gelohnt. Manchmal ist es interessant, wo wir hängenbleiben, obwohl wir es nicht vorgesehen hatten und gleichzeitig ziehen wir an Orten weiter, wo wir mehr erwarteten. Die Appalachen überquerten wir am nächsten Tag. Es ist ein schöner Scenic Drive mit bunt gefärbten Wäldern und jede Menge Aussichtspunkten. Die Strecke ist ganz nett, aber uns hat diese nicht besonders umgehauen. Da haben wir eindrücklicheres gesehen an der Westküste.

Wie so oft übernachteten wir beim Walmart. Es waren bei diesem fast keine Übernachtungsmobile vor Ort, aber wir fanden auch keine Tafel, dass es verboten sei. Wir gingen kurz in den Walmart und kaum waren wir im Van, hielt der Sheriff neben uns. Er leuchtete mit seiner Mordslampe in unser Auto. Ich öffnete die Türe. Der Sheriff fragte uns, ob wir das waren und zeigte auf den Boden. Es lag eine Redbull- und Bierdose auf dem Parkplatz neben uns. Ich verneinte, was auch stimmte und er glaubte mir das. Im nächsten Moment fühlte ich mich wie beim Grenzübertritt. Er wollte wissen, wie lange wir hier sind und ob uns dieser Van gehört etc. Natürlich beantwortete ich ihm alle Fragen ehrlich. Ich hatte das Gefühl, dass er ziemlich beeindruckt war und er wünschte eine gute Nacht und gute Reise. Als wir am Morgen aufgestanden sind, waren die Dosen weg. Wer das auch immer war, denn der Sheriff fuhr direkt nach dem Gespräch weiter.

Nach einigen eher kühlen und teils bewölkten Tagen im Landesinneren, freuten wir uns über die Wärme und den blauen Himmel an der Küste. Am Myrtle Beach trifft man auf einen herrlich langen Sandstrand, wo man Spaziergänge oder Joggingrunden machen kann. Wir waren glücklich, wieder an der Küste sein zu können.

Als nächste Stadt hatten wir Charleston im Visier. Das Wetter war für den kommenden Tag sehr schlecht vorausgesagt, weshalb wir die Besichtigung unbedingt noch im Trockenen machen wollten. Es hatte schon ein paar Wolken am Himmel, aber wir waren positiv gestimmt. Gemütlich schlenderten wir dem Pier entlang und durch die Strassen. Wir spürten ein paar Tropfen und dachten, dass dies bestimmt schnell vorbei wäre. Falsch gedacht und den Schirm hatten wir selbstverständlich nicht dabei. Es kippte aus Eimern und es war kein Ende in Sicht. „Rusty“ stand auch nicht gerade ums Eck, so dass wir komplett durchnässt waren bis wir beim Van ankamen. Grundsätzlich halb so wild, nur wo trocknet man die Kleider, wenn es draussen feucht und eher kühl ist und wir nichts anderes haben als den Van? Sehr aussichtslos.
Am nächsten Morgen waren wir motiviert für eine Joggingrunde. Der Himmel war zwar immer noch grau, aber Eik meinte „das hält schon noch“. Nach ca. 4 Minuten spürten wir die ersten Tropfen und dann schüttete Petrus  wieder eimerweise Wasser über unseren Köpfen aus. Echt nett der Typ. Immerhin hatte er gemerkt, dass wir eine Dusche nötig hatten. Wir stellten uns bei einem Hotel unters Dach und hofften, dass es bald vorbei ist. Nun ja, das war nicht der Fall. Ich sagte zu Eik: „Ach komm, lass uns rennen, nass sind wir sowieso schon.“. Gesagt getan und nach einer halben Minute wendeten wir und liefen zurück zum Van. Es hatte überall soviel Wasser, dass man netterweise auch von den Autos eine richtige Dusche abbekam und das nahm uns schlussendlich die ganze Motivation. Wir entschieden uns, im Hallenbad ein paar Längen zu schwimmen und gingen anschliessend in einen Waschsalon, wo wir nebst unserer Schmutzwäsche auch unsere vielen nassen Sachen waschen und trocknen konnten.
Wir sind sehr froh, dass wir bis jetzt in Amerika mit so wenig Regen gesegnet waren auf unserer Reise. Ein Outdoorleben im Nassen macht definitiv keinen Spass.

In Savannah lächelte uns wieder die Sonne entgegen und die Wolken hatten sich alle verzogen. Genau so wollen wir es 😉 Savannah ist recht übersichtlich und hat viele kleine Parks, wo man gemütlich hindurchschlendern kann. Es hat ebenfalls ein paar schöne Gebäude und wie in Charleston, Pferdekutschen mit welchen man die Stadt besichtigen kann.

Etwas ausserhalb gibt es das Savannah National Wildlife Refuge. Es ist kostenlos und man wird recht schnell von Ameisen gebissen, wenn man in die Wiese steht. Ist zumindest Eik an zweimal passiert. Wenn man nicht in der Wiese steht, kann man mit dem Auto (one way) 4 Meilen durchfahren. Direkt neben der Strasse hat es Sumpf, wo Alligatoren leben. Es ging lange bis wir den ersten am Rand sahen. Eik machte gerade Fotos aus dem Fenster als ich vor uns einen Alligator sah, der die Strasse überquerte. Leider waren wir zu langsam und noch etwas zu weit weg, dies auf einem Bild festzuhalten, aber es war wirklich ein einmaliger Anblick wie der grosse Alligator gemütlich über die Strasse trottete. Damit hätten wir definitiv nicht gerechnet.

Wir versuchen möglichst viel Zeit an der Küste zu verbringen bzw. unsere Route so zu wählen, dass wir eine Küstenstrasse fahren können. Es ist nicht die schnellste Route, aber wir haben ja Zeit 🙂
An der Ostküste von Amerika muss man unbedingt einen Halt auf Pekyll Island machen. Man zahlt USD 6.- für einen Tag pro Fahrzeug, da es ein State Park ist. Wir hofften, auf dem Campingplatz noch ein Plätzchen zu bekommen und hatten Glück. Fast komplett um die Insel führt ein Rad-/Spazierweg, welcher sehr schön ist. Immer mal wieder gibt es Zugänge zum Strand und einer ist besonders schön: der Driftwood Beach ist der Strand der toten Bäume. Hört sich vielleicht schrecklich an, aber das ist der Lauf der Natur. Ein sehr fotogener Strand, wo wir in zwei Tagen nur 3x waren ;). Glücklicherweise lag er in Fussdistanz zu unserem Campingplatz.

Amelie Island bezaubert mit einem langen Sandstrand und sehr vielen Muscheln. Ist dadurch etwas schmerzhafter barfuss zu laufen, aber wer gerne Muscheln sammelt, muss einfach dorthin. Des Weiteren trifft man dort nicht auf viele Menschen. Weiter der südlich kommt man noch am Big Talbot Island State Park.

Die älteste Stadt der USA heisst St. Augustine und ist im spanischen Stil erbaut. Es ist ein sehr touristischer Ort mit vielen wunderbaren Gebäuden. Das Casa Monica hat mir besonders gut gefallen 😉 Nur konnten wir dies lediglich von aussen betrachten, da es wohl ein sehr teures Resort & Spa Hotel ist. Es gibt eine nette Flaniermeile mit vielen kleinen Läden und Restaurants zum Verweilen. Ein Stop in diesem Städtchen ist auf jeden Fall empfehlenswert.

Per Zufall gelangten wir an einen Spot (Nähe Titusville) ,wo man Manatees sehen kann. Manatees sind Seekühe und wir haben das erste Mal auf der Insel Palawan (Philippinen) eine gesehen. Allerdings war dies damals ein Dugong, welcher sich unter anderem wegen der Schwanzflosse von einem Manatee unterscheidet. Zudem mussten wir auf den Philippinen schnorcheln, um einen zu sehen. Hier schwammen direkt in Ufernähe diverse Manatees rum und gemäss unserer Wahrnehmung bleiben sie weniger lange unter Wasser als Dugongs. Das bedeutet, dass man sie viel häufiger sieht.
Als wir an dem Spot ankamen, war der Himmel im Abendrot gefärbt. Es schwammen Delphine entlang des Flusses, Pelikane kreisten und stürzten sich ins Wasser, um Fische zu fangen. Die Manatees tauchten vor uns immer wieder auf und ab. Was für ein magischer Moment und einmal mehr waren wir begeistert, was wir manchmal zufälligerweise entdecken. Da das Licht schon etwas zu dunkel war, um schöne Fotos machen zu können, entschieden wir uns, am nächsten Tag zurückzukehren.

Eik und ich waren vor ein paar Jahren schon mal in Florida und um einen Tag hatten wir den Start eines Spaceshuttles verpasst. Als wir dies am nächsten Tag realisierten, ärgerten wir uns doch extremst, denn wir verbrachten den Vortag beim Shoppen im Outlet Center. War auch nett, aber eben…
Da wir nun sehr nahe bei Cape Canaveral waren, schaute ich mal kurz im Internet, ob allenfalls bei der NASA was Spannendes läuft. Zum Glück habe ich nachgeschaut, weil einen Tag später durften wir zuschauen, wie sie eine Rakete ins All schossen. Es war zwar „nur“ eine Rakete, welche einen Satelliten beförderte, aber sowas live erleben zu können ist schon der Hammer. Im Cape Canaveral National Seashore Park ergatterten wir uns den zweitletzten Parkplatz und hatten eine super Sicht auf die Startrampe. Am Anfang war die Rakete noch nicht so laut, aber irgendwann hörten wir den Nachhall extrem. Die Leute um uns herum jubelten und klatschten. Wow, wie beeindruckend! Schwups, da war sie auch schon in weiter ferne verschwunden und der Nachhall versiegte langsam. Sie hinterliess lustigerweise noch eine gekringelte Wolke im strahlendblauem Himmel.

Auf den 31. Oktober 2017 freute ich mich schon recht lange, denn ich wusste, dass ich an dem Tag in Miami meine ehemalige Kosmetikerin Laura treffen werde und ich mir endlich mal wieder eine Gesichtsbehandlung und Pedicure gönnen durfte. Ich war sehr traurig, als sie mir vor über 5 Jahren mitteilte, sie wandere nach Miami aus und umso schöner war das wiedersehen. Auch die superschöne Behandlung hat mir richtig gut getan.
Am 1. November 2017 feierten wir unser 1-jähriges Reisejubiläum und sie hat für uns extra Cupcakes mit einer Kerze bereitgestellt, um dies zu feiern. Was für eine liebe Überraschung. Zudem hat sie und ihr Mann uns so lecker bekocht und sogar extra einen Zopf und Kuchen gebacken. Mmmmmmhhhhh! Seit wir die Schweiz verlassen haben, gab es nie mehr Zopf.
Wir haben ihnen einen Tag beim Aufbau eines sturmsicheren Gazebos geholfen und hoffen sehr, dass dieser die nächsten Hurricanes übersteht. Ohne einen Sonnenschutz hält man es auf ihrem schönen Sitzplatz nicht aus. Da brennt die Sonne mit 28 Grad und mehr auf einen nieder.
Zwei Nächte hatten wir bei ihnen verbracht, bevor es weiter zu den Florida Keys ging.

Ich denke, wir alle haben vom Hurricane Irma gehört, welcher Ende August/Anfang September 2017 wütete. Es war uns nicht bewusst, dass es die Florida Keys so hart getroffen hatte. Sie mussten die Keys zwangsevakuieren und es wurden angeblich 90% der Häuser zerstört oder schwer beschädigt. Unglaublich, wenn man sich das vorstellt und nach wie vor liegt sehr viel „Müll“ an den Strassenseiten. Der Hurricane ist immerhin vor fast 2 Monaten durchgefegt und so wie es aussieht, kommen sie mit den Aufräumarbeiten nicht nach. Unvorstellbar, wie das direkt nach dem Sturm ausgesehen haben muss. Aufgrund der Zerstörungen sind leider auch viele Strände und State Parks geschlossen. Die Strände wurden teils wie weggespült oder wohl eher weggewirbelt. Auch viele Campingplätze sind geschlossen. Auf die Frage, wann sie wieder öffnen, gab es meistens ein Schulterzucken als Antwort. Da es schwierig ist, auf den Keys wild zu campen, entschieden wir uns nicht bis nach Key West zu fahren. Es ist immerhin eine rechte Distanz und wir gingen davon aus, dass es im Süden noch schlimmer aussieht. So fuhren wir nur bis Marathon, was etwa in der Mitte liegt.
Die Florida Keys sind wunderbar zu befahren. Man fährt viel über Brücken und ist so nahe am Meer. Was sehr unschön war, dass wir fast kein Fleckchen Haut mehr hatten, wo uns keine Mücke gestochen hatte. Echt sehr übel, vor allem gab es Mücken tagsüber und nachts. Die schlimmsten waren etwa 2mm klein und kamen auch durchs Moskitonetz. Auf dem Campingplatz nannten sie diese die „Unsichtbaren“. Wenn man sie unter dem Mikroskop anschauen würde, hätten sie bestimmt ganz fiese scharfe Zähne mit denen sie sich ins Fleisch beissen. Herrlich!

Wir gönnten uns 3 Nächte auf dem Campingplatz in Key Largo, um nochmal etwas auszuspannen, diesen Blog fertigzustellen und unsere Reisetaschen zu packen.

Am Sonntag, 4. November 2017 habe ich mit meinem Mami telefoniert und ich war völlig irritiert, weil sie meinte, dass es in der Schweiz 6h später sei als bei uns. Nach der Zeitumstellung Ende Oktober waren es eigentlich nur noch 5h. Hmmm, sehr komisch… Na ja, abends um 18.00 Uhr wunderten wir uns, dass es schon dunkel wurde, bis wir herausgefunden, dass hier auch Zeitumstellung war, einfach ein Wochenende später. Sowas zu verpassen, kann einem auch nur auf Weltreise passieren 😉 Unsere Handys und Notebooks haben die Zeit selber umgestellt, weshalb wir dies gar nicht merken konnten. Nun wird es bereits kurz nach 18.00 Uhr dunkel, was uns beim Campen wenig Spass macht.

Leider wurden auch die Everglades stark in Mitleidenschaft gezogen vom Hurricane Irma. Vieles ist geschlossen und sogar Trails waren zu wegen der Zerstörungen. Kein Campingplatz war geöffnet. Gemäss Information im Visitor Center sollte es in 2 Monaten wieder offen sein. Schauen wir mal.

Einen Tag vor unserer Abreise kehrten wir zu Laura nach Miami zurück. Zu unserem grossen Glück können wir den Van für die nächsten 3,5 Monate bei ihnen hinstellen, womit wir nicht gerechnet hätten. Wir gingen davon aus, dass wir uns für die Zeit irgendwo in Miami einen Stellplatz suchen müssen. Eine bessere Lösung hätten wir definitiv nicht finden können. Ganz herzlichen Dank nochmal, Laura & Familie.

Am Donnerstag Morgen, 9. November 2017 um 2.12 Uhr hebt unser Flieger in Richtung Bogota, Kolumbien ab. Nach 6 Monaten USA/Canada müssen wir uns von Nordamerika verabschieden, da unser Visum endet. Gleichzeitig freuen wir uns auf eine neue Herausforderung in einer neuen Umgebung, Kultur und Sprache. Ich habe extra noch etwas Spanisch gebüffelt und ich hoffe, das bewährt sich wenigstens ein bisschen.
In Kolumbien verbringen wir 3 1/2 Wochen, bevor es weiter nach Galapagos (2 Wochen), Chile und Argentinien (2 Monate) geht. Ende Februar 2018 werden wir nach Miami zurückkehren.

Die Ostküste von Norden nach Süden zu befahren, war schön, aber nicht ganz so spektakulär wie die Westküste. Es gibt um einiges weniger zu sehen und die grossen Städte mieden wir teilweise (Bsp. Washington D.C.). Die vielen Sandstrände mit den teils riesigen Villen waren eindrucksvoll. Dennoch würden wir definitiv die Westküste und auch andere Teile Amerikas bevorzugen. Florida zu bereisen, lohnt sich aber ebenfalls sehr.

Nach 5 Monaten Roadtrip mit „Rusty“ haben wir 27’000 km zurückgelegt und der alte Herr hat dafür wirklich nicht schlecht durchgehalten. Nun hat er die 3 1/2-monatige Pause verdient 😉

Highlights an der Ostküste: Acadia Nationalpark, New York, meine liebste Freundin Coco mit Romain getroffen, herrliche Strände, Jekyll Island, Raketenstart in Florida, Laura & Familie zu treffen, Florida Keys, viele Tiere gesehen (Alligatoren, Vögel, Delphine, Manatees, Leguane, Eichhörnchen etc.)

Lowlights an der Ostküste: zu viele Regentropfen in Charleston, unzählige Mückenstiche in Florida

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