Dies ist eine Special Edition für alle, die mehr über unseren Van „Rusty“ erfahren möchten und sich vielleicht selber mal in ein solches Abenteuer stürzen wollen.

Da wir wussten, dass wir ca. 6 Monate in Canada und USA herumreisen werden, war für uns klar, dass wir uns kein Auto oder Wohnmobil mieten wollten. In Canada kostet ein Wohnmobil pro Woche rund CHF 500.-. Man rechne: 24 Wochen x CHF 1’000.- = CHF 12’000.–! Somit stand für uns klar, dass wir ein Auto kaufen werden.

Die Autowahl:
Als wir uns in Hawaii online (bei Craigslist, Autoradar, Kijiji, Usedcar) nach Autos umgeschaut haben, standen 3 Optionen zur Auswahl:

  1. Dodge Grand Caravan mit versenkbaren Rücksitzen
  2. Wohnmobil
  3. Van

Der Dodge wäre sehr unauffällig, hätte einen geringen Benzinverbrauch und man kommt überall problemlos hin damit.
Das Wohnmobil wäre Luxus gewesen vom Platz und der Innenausstattung (Küche, WC, Dusche etc.). Allerdings hat ein solches Auto extrem Durst, man fällt mehr auf und das Parkieren oder auch Rumfahren an gewissen Orten ist sehr mühsam.

Somit war der eindeutige Gewinner ein Van. Wir haben uns schlussendlich für folgendes Modell entschieden:
Ford Econoline E350 Clubwagon XLT, Jahrgang 1995, V8 und angeblich 127’000km für CHF 3’600.-. Der Van ist 6m lang, 2m hoch und wiegt etwa 2,5 Tonnen. Der durchschnittliche Benzinverbrauch liegt bei etwa 15 Litern auf 100km.

Die Inspektion:
Bevor wir uns für den Van entschieden hatten, gingen wir damit zu einer Werkstatt und liessen ihn checken. Man zahlt dafür etwa CHF 100.- und danach sagen sie einem, was alles am Auto gemacht werden müsste. Das hilft sehr, wenn man nicht so viel Ahnung hat von Autos.

Die Zulassung:
In einem Reiseblog haben wir von einem Autokauf und der Zulassung gelesen. Das klang alles sehr einfach und in der Tat war es auch so. In Amerika kann man als Tourist kein Auto zulassen, in Canada allerdings schon. Am einfachsten ist es in British Columbia. Wir haben uns für Vancouver entschieden, da es dort unserer Meinung nach auch einen grossen Automarkt gibt. Hat man das passende Auto gefunden, geht man mit dem Verkäufer zu einem Autobroker. Diese gibt es wie Sand am Meer. Der Verkäufer füllt den Kaufvertrag aus und dieser wird vom Broker entgegengenommen. Ebenfalls gibt der Verkäufer seine Nummernschilder ab.
Wichtig: man zahlt beim Broker eine Tax von 12%  und zwar vom Verkaufspreis. Dies auch, wenn man es von einer privaten Person gekauft hat. Des Weiteren benötigt man eine Adresse in BC. Wir konnten die von unserem Airbnb nehmen, wo wir 8 Tage waren (unbedingt anfragen vorher). Grundsätzlich wird keine Post versendet, aber es werden z.B. auch Bussen an diese Adresse gesandt. In BC gibt es nur eine Versicherung und zwar die ICBC. Da muss man folglich nicht mehrere Offerten einholen, sondern man schliesst die Versicherung mit denen ab. Bezüglich Deckung gibt es verschiedene Varianten und das ist jedem selber überlassen, was er gedeckt haben möchte. Kleine Erinnerung: in Amerika kann es teuer werden, wenn man einen Unfall baut. Die Deckung gilt im übrigen für Canada und Amerika.

Der internationale Fahrausweis ist notwendig. Das Auto wird auf eine Person zugelassen und sie muss mindestens 51% Fahranteil haben. Keine Ahnung, wie sie das überprüfen können 😉 Ein Zweitlenker wird nicht eingetragen.

Bringt man einen Nachweis der letzten Autoversicherung mit (auf Englisch), dass man während den letzten 7 Jahren unfallfrei gefahren ist, kann man bis zu 35% der Prämien sparen. Man kann diesen auch nachträglich einreichen und die ICBC stellt einem einen Check aus. Es ist einfacher, wenn man dies gleich bei Versicherungsabschluss dabei hat.

Wir zahlten für die Jahresversicherung ohne Rabatt CAD 2’952.- (ca. 2’125.-).

Die Prämie zahlt man vor Ort mit der Kreditkarte. Man kann wählen, ob man eine Monats- oder Jahresversicherung abschliessen möchte. Die Jahresversicherung ist günstiger. Sollte das Auto vorher verkauft werden, erhält man den Differenzbetrag gutgeschrieben.

Vom Broker erhält man die neuen Nummernschilder und that’s it. Übrigens kommt man mit einem kanadischen Nummernschild in Amerika gut an. Sie mögen die Kanadier zum einen und zum anderen hat man mehr Verständnis im Strassenverkehr 😉

In Canada kennen sie sowas wie Strassenverkehrsamt oder TÜV nicht.

Der Innenausbau:
Als wir den Van gekauft haben, hatte es noch 4 Sitzreihen drin. Diese haben wir alle ausgebaut und eine steht nun quer hinter dem Fahrersitz als Sitzbank. Im Home Depot in Canada haben wir Holz gekauft und selber ein Bettgestell gebaut (hält bis heute 😉 ). Im Ikea haben wir Stoff gekauft, welche wir als Vorhänge an den Seiten an Kordeln aufgehängt haben. Ein Duschvorhang  dient als Sichtschutz von vorne, welchen wir an einer Stange befestigt haben. Als Sichtschutz hinten, dienen zwei einfache Tiefkühlbeutel (die silbrigen Dinger). Hinten hat Eik aus Holz noch ein Gestell gebaut. Zum einen können wir uns daran anlehnen und zum anderen kann ich dort meine Packhilfen (Klamotten) verstauen. Auf der einen Seite vom Bett haben wir klappbare Holztische eingebaut. Ideal für Staufläche darunter und zum was Draufstellen (Bier 😉 ).
Die Queensize-Matratze haben wir Secondhand auf Craigslist gefunden. Die Kissen waren mit USD 5.- ein Schnäppchen im Walmart. Unter dem Bettgestell haben wir 5 Plastikkisten für unsere Vorräte, Geschirr, Werkzeuge und Krimskramszeugs. Unsere Reisetaschen und die Rucksäcke passen ebenfalls perfekt unters Bett. Den Kühlschrank kauften wir im Walmart, welcher mittels Zigarettenanzünder betrieben werden kann. Eine Kühlbox für unser Obst darf auch nicht fehlen. Noch viel wichtiger sind unsere eisgekühlten Getränke, welche wir darin lagern können. Wir kaufen etwa jeden zweiten Tag Eiswürfel, damit es schön kühl bleibt. Und ja, natürlich haben wir auch Licht im Van. Eik hat dies alles selber irgendwie eingebaut (fragt mich nicht wie…). Man benötigt auf jeden Fall eine zweite Batterie. Am besten eine Deepcycle, weil diese sich mehrmals komplett entladen kann. Bei einer regulären Autobatterie kommt dies nicht so gut. Oh ja, ein Batteryback gönnten wir uns ebenfalls. Damit kann man zur Not überbrücken und daran können wir unsere technischen Geräte wie Notebook etc. aufladen.
Natürlich haben wir auch Campingstühle und zwei Campingtische (gross und klein). Des Weiteren legten wir uns eine mobile Campingtoilette sowie -dusche zu. Allerdings nutzen wir die Dusche fast nie. Diese muss an einem Baum aufgehängt werden, was sich als schwieriger als gedacht herausgestellt hat. Wir finden immer einen Weg uns von Zeit zu Zeit zu waschen 😉
Einen Feuerlöscher haben wir auch immer dabei und hoffen, dass wir diesen nie brauchen werden.

Der Pannendienst:
Unser Van ist Anfangs jeden zweiten Tag nicht angesprungen. Dies bewog uns unter anderem eine Mitgliedschaft beim Pannendienst abzuschliessen. Man kann z. B. beim BCAA Mitglied werden. Die Deckung gilt für Amerika und Canada. Wir entschieden uns für die „Basic“, in welcher 4 Anrufe pro Jahr inklusive sind. Anschliessend ist es kostenpflichtig.

Die Benzinpreise:
Amerika ist ein hervorragendes Land für Autofahrer. Für eine Gallone (3,78l)  zahlt man je nach Region zwischen CHF 2.10 und 2.80. Das sind somit im Schnitt CHF 0.60 pro Liter. Canada ist etwas teurer. Dort muss man mit CHF 0.95 pro Liter rechnen. Gegenüber Europa ist es natürlich kein Vergleich.

Unsere Investitionen:
Nebst dem Innenausbau haben wir noch einiges in den Van investiert. Man darf nicht vergessen, dass das Auto auch unterhalten werden muss. Da wir pro Tag im Schnitt 230km fahren, haben wir auch einen grösseren Verschleiss an Motoren-/Getriebeöl, Reifen etc. Auch den Ölwechsel lassen wir regelmässig machen. Zudem haben wir mit der Getriebekühlung ein grösseres Thema, wo wir schon den einen oder anderen Dollar investiert haben.

Unsere Schlafplätze:
Mit dem Van kann man sich an viele Orte einfach hinstellen, ohne dass man gleich sieht, dass es ein „Camper“ ist. Häufig schlafen wir bei Walmart auf dem Parkplatz. Zwischendrin gönnen wir uns einen Campingplatz. Auch in Wohnquartieren haben wir schon genächtigt. Häufig nutzen wir zwei Apps zur Suche: WikiCamps und iOverlander. Manchmal stimmen die Angaben nicht zu 100%, aber meistens kann man sich darauf verlassen.

Unsere Lebensmittel:
Fast immer kaufen wir unser Essen bei Walmart ein. Es ist einer der günstigsten Läden in Amerika und Canada. Bei Costco hatten wir auf Hawaii eine Mitgliedschaft für USD 55.-/Jahr gelöst. Dort kann man eher grössere Packungen (Bsp. Müesli) kaufen und auch das Benzin ist meist günstiger.

Der Autoverkauf:
Wir werden „Rusty“ im Juni/Juli 2018 in Vancouver verkaufen und hoffen, dass wir einen guten Preis dafür bekommen 🙂

Falls noch weitere Fragen im Raum stehen sollten, könnt ihr uns gerne kontaktieren.

  1. Inzwischen haben wir die Erkenntnis gewonnen, dass man scheinbar auch als Tourist in Amerika ein Auto zulassen kann. Allerdings ist es in jedem Bundesstaat wieder anders, weshalb wir nicht sagen können, was in welchem Staat gilt. Für uns war Vancouver (Canada) definitiv zu dem Zeitpunkt die richtige und einfachste Lösung.

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